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Lesezeit: 2 min

Majestäten

Im Sommer 2008 von Dr. Luis Fuchs

Dieser Artikel erschien vor 18 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell

Die Bischofsstadt Brixen wird zur Papststadt, im Priesterseminar residiert der Katholiken „Heiligkeit“. Da verblasst selbst die Attraktion des romantischen Fischleintals, das von der in einem außergewöhnlichen Umfragehoch liegenden Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Urlaubs - domizil auserkoren wurde. Der lokalen Presse kommen solche Majestäten gerade im Sommerloch höchst gelegen, denn noch immer wimmelt es in unseren Nachrichten von gekrönten Häuptern. Wie in Märchen tummeln sich im Blätterwald Könige und Kaiser und ungekrönten Persönlichkeiten werden Herrschertitel kurzerhand verliehen.

Unumstritten bleibt die Würde eines Walzerkönigs Johann Strauß, weniger überzeugend wirkt da schon der Titel eines „Nudelkönigs“ Barilla. Als „Schlagerkönigin“ wurde die deutsche Sängerin Andrea Berg angesprochen. In Fußballkreisen thront der „Kaiser“ Franz Beckenbauer als lebendiges Monument. Als im Jahre 2005 der Münchner Modemacher Rudolph Moshammer ermordet wurde, las man die Bezeichnung „Modezar“ in sämtlichen Zeitungen und Zeit - schriften. Derzeit wird der berühmte Karl Lager - feld als „Modezar“ betitelt. Was das Zarentum für die Mode, sind die „Moguln“ für die Medien. So wird der inzwischen pleite gegangene Film - händler Leo Kirch als „Medienmogul“ bezeichnet, genauso wie natürlich Silvio Berlusconi, der sich gern als „Cavaliere“ ansprechen lässt und sich als „Retter der Nation“ aufopfert. Nicht auf der landesfürstlichen Burg Tirol, wohl aber im Bozner Landhaus I residiert, regiert und diktiert der Südtiroler Landesfürst von Volkes Gnaden. Der territorialen Größe muss ein Titel gar nicht entsprechen, dies beweist manch ein „Dorfkaiser“, indem er als unangefochtene Autorität seines Amtes waltet; offiziell steht ihm ja nur der Bürger-„Meister“-Titel zu. Für einen Bürger - meister wohl zu geringe Ehre, in Anbetracht der großen Zahl an Italien-Meistern, Europa-Meistern und sogar Welt-Meistern, deren sich das kleine Land Südtirol rühmen kann; von den unzähligen Meistern des Handwerks ganz zu schweigen. Die Gesellschaftsordnung scheint in Südtirol noch stark vom archaischen Matriarchat geprägt zu sein, gemessen an der ansehnlichen Zahl an Königinnen, die zu unser aller Glück die angenehmen Seiten unseres Daseins verkörpern. Süß ist sie und süß auch das begehrte Blüten-Elixier, mit dem die Meraner Honigkönigin Susanne Zuber unsere Sinne ergötzt. Auch die Erdbeer - königin Laura Fleischmann in Martell und die Apfelkönigin Monika Deltedesco in Natz-Schabs regen mit edlen Früchten unseren Geschmack - sinn an. Das Wasser im Mund läuft uns zusammen, wenn die Terlaner Spargelkönigin Silvia Pfannzeller, die Speckkönigin Maria Mantinger oder auch die Törggelekönigin Sandra Ober - pertinger uns bezirzen. Musisch hellhörige Gemüter zieht die Jodlkönigin Maria Sulzer in ihren Bann.

Dass die höchsten Würdenträger auch die bescheidensten sein können, lehrte uns Papst Benedikt XVI., als er nach seiner Wahl erklärte: „Nach dem großen Johannes Paul haben die Kardinäle mich, einen einfachen und demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn, gewählt.“

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