Kann man auf einem toten Pferd weiterreiten? Das humanistische Bildungsideal, ist es zu Tode geritten worden? Es gab einmal fünf klassische Gymnasien im Lande, wo auch Altgriechisch unterrichtet wurde. Jetzt sind es nur mehr zwei, nachdem das Marienberger Gymnasium in Meran diesen seinen Geist aufgeben musste. Das humanistische war immer ein besonderes Bildungsangebot, anspruchsvoll, für Jugendliche, die sprachbegabt sind, und neugierig auf weiterführende Studien und Berufungen. Aber unsere immer schneller getaktete Welt mit all der...

Freiheit und Würde sind schon seit der italienischen Renaissance große Worte. Sie eröffnen so weite Horizonte, dass wir sie kaum definieren, kaum begrenzen können. Auch wenn es um Bildungsideale und Schulziele geht. Darüber wird nicht erst im heutigen Südtirol lebhaft diskutiert, sondern seit mehr als zweihundert Jahren im gesamten deutschsprachigen Europa. Als erster „Humanist“ gilt Petrarca, als größter Erasmus. Mit ihrer großen Wiederbelebung und Idealisierung antiker Vorbilder gehen sie...

Erasmus von Rotterdam, geboren 1469 (als unehelicher Sohn eines Pfarrers und seiner Häuserin), hat sich nie Humanist genannt, ist aber wohl der größte. Sein Leben war den „humaniora“ geweiht, also den „studia humanitatis“, dem Studium des Menschseins, im Gefolge der „studia divinitatis“, des Göttlichen. Erasmus (zunächst Augustiner-Chorherr, blieb zeitlebens papsttreu, ganz anders als sein Zeit- und Ordensgenosse Martin Luther; aber er) war doch auch so kirchenkritisch, dass seine Schriften von...

Gymnasium, der Name dieses Schultyps geht zurück auf das altgriechische gymnázesthai , mit nacktem Körper turnen. Bei unseren Temperaturen muss es ja nicht nackt sein. Aber körperliche Bewegung gehört auch in heutigen Stundenplänen ordentlich aufgewertet, genauso wie Musik. Dies und anderes hörte ich zum 300. Geburtstag des Benediktinergymnasiums in Meran vom früheren österreichischen Unterrichtsminister Karlheinz Töchterle, zur Frage: Taugt „Humanismus“ noch als Basis heutiger...

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Sokrates, der konsequente Freund von lebenspraktischer Weisheit und Gerechtigkeit, räumt als erster den Fragen einer sinnvollen, harmonischen Lebensgestaltung absoluten Vorrang ein vor Unergründlicherem wie Metaphysik, Erkenntnistheorie, Ontologie usw. So einer kann nicht nur anregen, sondern auch aufregen. Bis hin zur Anklage und zum Todesurteil als angeblicher Unruhestifter. Aber auch über seine Art Märtyrertod hinaus bleibt der ewige Fragensteller bis heute der größte Provokateur für alle, die andere Prioritäten...

Sokrates, der erste große Fragesteller der Philosophiegeschichte, bezeichnet sich nicht als Weiser, sondern als Freund der Weisheit: als Philosophos, diesen Titel akzeptierte er. Von Sokrates ist aber keinerlei theoretisches System überliefert. Doch sein Leben, das ist zu 100 % gelebte Philosophie: Er geht unter die Leute. Er tritt dem Einzelmenschen nahe. Mit Vorliebe dem, der eh schon alles zu wissen glaubt. Mit behutsamen Fragen und beharrlichen Nachfragen regt er an zu selbständigem, auch selbstkritischem Denken. So erweckt Sokrates...

Der griechische Philosoph Sokrates hätte sich der über ihn verhängten Todesstrafe ohne weiteres durch Flucht entziehen können. Seine Anhänger drängten ihn dazu. Aber so etwas Schmähliches kam für den aufrechten Freund von Weisheit und Gerechtigkeit keinesfalls in Frage; aus Selbstachtung nicht, aber vor allem nicht aus genau dem ehrlichen Respekt vor der gesetzlichen und göttlichen Ordnung, den ihm seine Gegner und Richter abgesprochen hatten. So wurden sie gedemütigt, als der berühmte Philosoph sich...

Der weiseste Mensch seiner Zeit, so wurde Sokrates vor 2.500 Jahren gesehen. Aber er wollte nicht so gesehen werden. Dabei hatte sogar das angeblich allwissende Orakel von Delphi auf Befragen ausgesagt, niemand sei weiser als Sokrates. Er selbst sah diesen Orakelspruch aber nicht auf seine Person gemünzt. Er sei nur als Lehrbeispiel genannt, meinte Sokrates: dafür, dass es keine irdische Weisheit geben kann, höchstens ein Streben nach einer gewissen Selbsterkenntnis, das Suchen nach etwas Tieferem und zugleich Höherem und Freierem als...

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Soweit man weiß, war der Philosoph Immanuel Kant nur einmal nahe dran zu heiraten, blieb aber zeitlebens Junggeselle. Als prominenter Aufgeklärter weiß er selbst natürlich alles über die Liebe in Europa. Glaubt er wenigstens, wenn er schreibt: „In der Liebe haben der Deutsche und der Engländer einen ziemlich guten Magen, etwas fein von Empfindung, mehr aber von gesundem und derbem Geschmack. Der Italiener ist in diesem Punkte grüblerisch, der Spanier phantastisch, der Franzose vernascht.“ Der...

„Unter den Völkerschaften unseres Weltteils sind meiner Meinung nach“, so Kant wörtlich, „die Italiener und Franzosen diejenige, welche im Gefühl des Schönen, die Deutschen aber, Engländer und Spanier, die durch das Gefühl des Erhabenen sich unter allen übrigen am meisten ausnehmen.“ „Das italienische Genie hat sich vornehmlich in der Tonkunst, der Malerei, Bildhauerkunst und der Architektur hervorgetan … Der Italiener scheint ein gemischtes Gefühl zu haben, von dem eines...