Gesellschaft

Überdimensionierter Kreisverkehr am Praderplatz

ohne Rücksicht auf das historisch gewachsenen Bahnhofsareal geplant

Im November 2026 wird der Tunnelabschnitt zwischen der Gewerbezone Tirol im Osten und dem Bhf. Meran im Westen geöffnet. Damit einhergehen wird ein markant höheres Verkehrsaufkommen im Bereich des Bahnhofs Meran, weil die zentrumsnahe Ausfahrt der NW-Umfahrung sehr nahe am Bahnhof liegt und man davon auszugehen muss, dass die umliegenden Verkehrsflächen stark belastet werden.

Ende 2027, also ca. ein Jahr später, soll mit dem Bau des Mobilitätszentrums im Bereich des Bahnhofs Meran begonnen werden.

Durch den Bau des neuen Bus-Terminals im Bereich des früheren Güter-Bahnhofs werden täglich insgesamt 1.000 bis 1.400 Autobusse den Kreisverkehr vor dem Ex-Alperia-Gebäude („Grauer Bär“) benutzen.

Verkehrsplaner befürchten nun, dass es zu Rückstau und damit zu einer Verkehrsblockade in diesem Bereich kommen wird. Daher wurde im Gemeinderat Meran Ende Juni 2026 vom Verkehrsplaner Ing. Stefano Ciurnelli ein überdimensionierter Kreisverkehr mit 40 m Durchmesser vorgeschlagen, der den bestehenden ersetzen soll.

Der neue, große Kreisverkehr soll in Richtung Praderplatz verschoben werden, wobei er 11% des Praderplatzes einnehmen wird. Somit läge der Kreisverkehr nicht mehr auf der geraden Linie Europa-Allee‒4.-November-Straße und würde die Straßenachse „aus dem Gleichgewicht“ bringen.

Der Meraner Hauptbahnhof ist 1906 als elegantes Entrée der Kurstadt konzipiert worden mit baumbestandenen Straßen, dazu zählen der Platz mit dem A.-Hofer-Denkmal, die Platanen-Allee der A.-Hofer-Straße sowie die Europa-Allee im Stil der Wiener Ringstraße. Diese ausgearbeiteten Bezüge würden durch eine rein technische Sichtweise (Verlagerung des Kreisverkehrs) stark gestört. In den Augen des Heimatschutzvereines Meran darf es nicht sein, dass sich der historisch gewachsene Stadtraum reinen verkehrstechnischen Anforderungen unterzuordnen hat – um es wortwörtlich zu sagen: über den Stadtraum wird „drübergefahren“.

Für die Errichtung der neuen Straßenachse und des Kreisverkehrs werden zahlreiche hochstämmige Bäume geopfert, darunter die den Praderplatz umrahmenden Linden sowie Bäume im Bereich des Bahnhofes. Als ökologische Ausgleichsmaßnahme fordert der Heimatschutzverein Meran ein stadtgestalterisches Konzept für die neuen Verkehrsflächen, welches Fußgänger- und Radübergänge, zusätzliches Grün und hochstämmige Bäume vorsieht. Schattige Flächen und Kühlschneisen werden in einem sich stärker erhitzenden Stadtraum immer wichtiger.

Derzeit wird für das Gebiet zwischen ex-Eisstadion („Palamainardo“), Bahnhofsplatz und Praderplatz ein städtebaulicher Wettbewerb vorbereitet. Ein überdimensionierter Kreisverkehr am bzw. im Praderplatz macht es künftig schwierig, gediegene stadträumliche Lösungen mit mehr Aufenthaltsqualität im Bahnhofsbereich zu verwirklichen.

Für den Heimatschutzverein Meran

Johannes Ortner