Kein Geld für Wohnungen – aber die Sauna muss sein
Im Frühling 2026 von Der Stieglitz
Die Gemeinde Meran hat gesprochen: Vier unbewohnbare Wohnungen in Obermais – herunterhängende Rollläden, Fassade im Dornröschenschlaf – werden als „Leihgabe" an Sportvereine vergeben. Grund: keine drei Millionen für die Sanierung. Sanierung der Küchen und Bäder? Sollen die Vereine selbst stemmen. Und die verrottete Fassade, die schiefen Rollläden, womöglich gar die Heizung? Schweigen.
Dieselben drei Millionen fließen derweil klaglos in eine Dachsauna auf der Therme Meran. Schwitzen hat in Meran eben Vorrang vor Wohnen.
Die Logik ist von bestechender Dreistigkeit: Gemeinde-Wohnungen bleiben verfallen, Vereine sanieren auf eigene Kosten – und stehen am Ende wohl doch wieder mit der offenen Hand bei der Gemeindekasse. Eine teure Farce auf Umwegen, bezahlt vom Steuerzahler.
Besonders pikant: Die Gemeinde sitzt auf einem Immobilienvermögen von geschätzt 500 Millionen Euro und hat null Schulden. Ein Kredit für drei Millionen wäre nicht einmal eine Fußnote im Haushalt. Doch der politische Wille fehlt. Für Schweiß und Wellness findet sich das Geld wie von selbst – für vier heruntergekommene Wohnungen offenbar nicht.
Das alles in einer Stadt mit handfester Wohnungsnot. Aber wer braucht schon ein Dach über dem Kopf, wenn er auf dem Therme-Dach schwitzen kann?