Eltern sorgen vor: Neue Wege für Menschen mit Beeinträchtigung

20. March 2026

Wer sorgt für mein Kind, wenn ich es nicht mehr kann? Diese Frage beschäftigt viele Eltern von Menschen mit Beeinträchtigung. Die Stiftung „nach uns.dopo di noi“ begleitet Familien in ganz Südtirol dabei, gemeinsam frühzeitig verbindliche Lösungen zu entwickeln und Selbstbestimmung für betroffene Menschen langfristig abzusichern.

Ein Jahr nach Aufnahme ihrer operativen Tätigkeit zieht die gemeinnützige Stiftung „nach uns.dopo di noi“ eine erste Bilanz: Seit Anfang 2025 arbeitet die Organisation mit Unterstützung der Stiftung Sparkasse von ihrem Sitz am Waltherplatz in Bozen aus landesweit mit Familien, die die Zukunft ihrer Kinder mit Beeinträchtigung regeln möchten. Rund 20 Erstgespräche mit Eltern haben stattgefunden. In mehreren Fällen vernetzte die Stiftung die Familien mit bestehenden Diensten, informierte über konkrete Unterstützungsangebote und pflegte den Austausch mit Sozialdiensten und Fachkräften.

Im Zentrum der Arbeit steht das individuelle Lebensprojekt des Menschen mit Beeinträchtigung. Gemeinsam mit der betroffenen Person und ihrer Familie klärt die Stiftung, wie Wohnen, Begleitung, soziale Beziehungen und rechtliche Absicherung künftig gestaltet werden können und sollen. Die Mitarbeitenden der Stiftung dokumentieren Wünsche und Bedürfnisse, strukturieren Informationen und schaffen eine verbindliche Grundlage für spätere Entscheidungen.

Präsident Armin Reinstadler formuliert den Stiftungsanspruch so: „Wir bauen eine Organisation auf, die Familien langfristig Sicherheit gibt und Verantwortung für sie übernimmt.“ 2026 will sich die Stiftung vermehrt der Öffentlichkeit zeigen, um Vertrauen zu festigen und gemeinsam mit den Familien tragfähige Lebensprojekte zu entwickeln. Aus diesen Projekten sollen konkrete Wohnperspektiven entstehen, die sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren und dauerhaften Bestand haben.

Direktorin Martina Pastore betont die inhaltliche Ausrichtung: „Jede Familie bringt eigenes Wissen, Sorgen und Hoffnungen mit. Wir nehmen uns Zeit für die Gespräche, strukturieren Wünsche und übersetzen sie in verbindliche Planungen.“ Sensibilisierung bedeutet für die Stiftungsdirektorin, das Thema aktiv anzusprechen und zur frühzeitigen Auseinandersetzung zu ermutigen.

Barbara Misslinger, Mutter eines erwachsenen Sohnes mit Beeinträchtigung, schildert die persönliche Dimension im Erstkontakt mit der Stiftung: „Ich habe lange gezögert, weil die Beschäftigung mit unserer Zukunft auch Angst auslöst. Das gemeinsame Gespräch hat uns gestärkt. Wir halten schriftlich fest, was unserem Sohn wichtig ist und welche Unterstützung er braucht. Diese Klarheit entlastet uns und gibt ihm eine Stimme für die Zeit, in der wir nicht mehr entscheiden können.“

Seit März 2026 bietet die Stiftung an jedem ersten Mittwoch im Monat einen „Monatlichen Zukunftsraum“ an ihrem Sitz am Waltherplatz 28 in Bozen jeweils von 16 bis 18 Uhr an. Familien können mit ihren Fragen kommen, die Mitarbeitenden nehmen sich Zeit für Sorgen und Wünsche. Geplant sind weitere Informationsangebote, intensive Pressearbeit, Ausbau der digitalen Präsenz, juristische Beratungstermine und Elterngruppen. Ziel bleibt, aus der berechtigten Sorge von Familien Perspektiven zu entwickeln und verlässliche Strukturen für ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Beeinträchtigung zu schaffen.

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Neun Organisationen stehen hinter der Stiftung „nach uns.dopo di noi“: die Stiftung Südtiroler Sparkasse, der Dachverband für Soziales und Gesundheit, die Südtiroler Vinzenzgemeinschaft, der Verein für Sachwalterschaft, der Verein Aktive Eltern von Menschen mit Behinderung, die Lebenshilfe, der Elternverband hörgeschädigter Kinder, der Verband Ariadne für psychische Gesundheit und AIAS (Associazione Italiana Assistenza Spastici).

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Weitere Informationen: www.nachuns-dopodinoi.org

Für Fragen: Martina Pastore (Geschäftsleitung), E-Mail info@nachuns-dopodinoi.org oder Telefonnummer 393 2670074.


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