135 Jahre Tabaktrafik Pfitscher-Ellmenreich
Eine Meraner Institution im Wandel
Im Herbst 2025 von Eva Pföstl
Seit 1889 prägt die Tabaktrafik Pfitscher-Ellmenreich in den Meraner Lauben das Stadtbild. Gegründet von Anna Sophie Galler, geborene Pfitscher – zu einer Zeit, als weibliche Geschäftsinhaberinnen noch eine Seltenheit waren. Sie ist heute ein lebendiges Zeugnis von vier Generationen Familiengeschichte. Was mit einer ungewöhnlichen Geschäftsgründung begann, wurde zu einer Institution in der Laubengasse, die Krisen überdauerte und sich immer wieder neu erfand.
Von Österreich zu Italien: Ein Stück Geschichte
Die Gründung der Trafik fiel in die Ära des österreichischen Tabakmonopols, als Südtirol noch zu Österreich gehörte. Das System folgte damals einem bemerkenswerten sozialen Prinzip: Kaiser Joseph II. hatte bereits 1784 verfügt, dass Kriegsinvaliden und Kriegerwitwen bevorzugt solche begehrten Konzessionen erhalten sollten – ein früher Versuch der Versorgung von Menschen mit Behinderungen.
Mit Südtirols Anschluss an Italien 1919 änderte sich alles. Aus der österreichischen Tabaktrafik wurde ein „Rivenditore di Sali e Tabacchi“. Die Geschäftsstruktur wandelte sich, doch die Meraner Trafik behauptete sich. Über alle Generationen hinweg gelang es der Familie, den kostbaren Standort im historischen Hermann-Gritsch-Haus zu halten – ein Balanceakt zwischen Tradition und wirtschaftlicher Realität, den kaum ein anderes Geschäft in Meran meistern konnte.
Vier Generationen halten zusammen
Nach der Gründerin Anna Galler übernahm ihre Tochter Sophie Pfitscher das Ruder und führte die Trafik bis in die 1960er-Jahre. Danach leiteten die Eltern des heutigen Inhabers das Geschäft drei Jahrzehnte lang bis 1990. Nach einer kurzen Übergangsphase mit Bruder Friedrich übernahm Joachim Ellmenreich 1994 offiziell das traditionsreiche Familienunternehmen.
„Wir haben gute Vermieter, zahlen einen fairen Mietzins und haben das große Glück, dass die Miete stets pünktlich bezahlt werden konnte“, erklärt Joachim Ellmenreich das Geheimnis der Kontinuität. „Das gute Verhältnis zu den Eigentümern des Hauses ist über all die Jahrzehnte gewachsen und basiert auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen.“ Ein seltenes Zeichen von Stabilität in Zeiten explodierender Immobilienpreise und häufiger Geschäftsschließungen.
Anpassung als Überlebensstrategie
Doch Kontinuität bedeutet nicht Stillstand. „Die Tabaktrafik war früher eine der wenigen Anlaufstellen in Meran, wo man auch Taschen kaufen konnte“, erzählt Ellmenreich. Doch als der Tourismus wuchs und sich die Stadtstrukturen veränderten, musste auch das Sortiment angepasst werden. „Als immer mehr Taschengeschäfte in Meran öffneten, haben wir uns auf unser Kerngeschäft konzentriert: Tabakwaren, Zeitschriften, Lotterie und Geschenkartikel.“
Im Laufe der Jahre kamen kontinuierlich neue Serviceleistungen hinzu – Post- und Bankgeschäfte, Telefonaufladungen und mehr. „Ich bin in erster Linie auch ein Dienstleister“, betont Ellmenreich. „Unser Geschäft hat sich immer angepasst und diese Flexibilität war überlebenswichtig.“ Eine Philosophie, die sich bewährt hat.
Gegen den Trend: Fachhandel für Zeitungen
Die aktuellen Herausforderungen sind erheblich. „Der Tabakkonsum und das Leseverhalten haben sich verändert. Es gibt einen großen gesellschaftlichen Wandel, alles ist schnelllebiger geworden“, konstatiert Ellmenreich nüchtern. Während der Zeitschriftenverkauf branchenweit sinkt und immer weniger Zeitungsgeschäfte in Meran überleben, hat die Tabaktrafik einen anderen Weg gewählt: „Ich habe das Sortiment ausgebaut und bin mittlerweile der Fachhandel für Zeitungen in Meran.“ Die Strategie scheint aufzugehen. „Ich bin zufrieden – das Geschäft läuft gut, weil ich mich immer angepasst habe.“
Im Rhythmus der Stadt
Mit einer täglichen Öffnung von 6.30 bis 19 Uhr (im Winter bis 18.30 Uhr) – eine außergewöhnlich lange Öffnungszeit für ein Einzelhandelsgeschäft – spiegelt die Trafik Merans Wandel wider. „Vormittags kommen vor allem Einheimische, die ihre Zeitung kaufen. Mittags bis 16 Uhr sind vor allem Touristen unsere Kunden, ab 17 Uhr kommen wieder die Bewohner der Stadt – sehr viele Ausländer, die in den Laubenwohnungen leben, die viele Einheimische nicht mehr in Anspruch nehmen.“
Diese Rhythmen kennt Ellmenreich genau, und sie bestimmen seinen Alltag und den seiner Mitarbeiter. Die Flexibilität, die diese verschiedenen Kundenströme erfordern, ist zentral für den Erfolg.