Meran entdeckt die Kunst des Weglassens
Im Frühling 2026 von Der Stieglitz
Nach reiflicher Überlegung – und noch reiflicheren drei Millionen Euro Planungsaufwand – hat der Meraner Stadtrat eine revolutionäre Entscheidung getroffen: Der geplante Wintergarten am Kurhaus wird nicht gebaut. „Das Projekt überzeugt nicht“, verkündete Bürgermeisterin Zeller mit entwaffnender Schlichtheit. Man wolle erst genau definieren, wofür man Geld ausgibt – ein Gedanke, der in seiner Originalität besticht.
Der bestehende Wintergarten störte die strenge Symmetrie des klassizistischen Kurhauses von Anfang an. Ein Rückbau würde das Wahrzeichen Merans in seiner ursprünglichen Eleganz wiederherstellen – das wäre nicht Verzicht, sondern Haltung. Das Kurhaus braucht keinen Wintergarten, sondern ein behutsames Gastro-Lifting: innen, mit Stil, im Geist des Hauses.
Meran hat einen neuen Reflex entwickelt – den des Innehaltens. Manchmal ist das Klügste, was man tun kann, gar nichts zu tun. Stieglitz zwitschert es bereits fröhlich in die Frühlingssonne: Endlich haben sie's kapiert! Drei Millionen Euro für nichts – das preiswerteste Nichts, das Meran je beschlossen hat. Und der Stadtrat hat selten klüger gewirkt als in dem Moment, als er einfach die Finger stillhielt.