Stieglitz geht feiern
Im Frühling 2026 von Der Stieglitz
Stieglitz war in der Disco. Freiwillig. Ein Fehler, den er nicht wiederholen wird und der ihm schonungslos vor Augen führte, dass er nicht mehr zwanzig ist.
Zwanzig Euro Eintritt – für das Privileg, in einem lärmverseuchten Bunker zu stehen, in dem menschliche Sprache so überflüssig ist wie Besteck beim Hundefutter. Die Musik – falls man dieses
industrielle Bum-Bum so nennen darf – hämmert mit der intellektuellen Tiefe eines Presslufthammers auf die Schädeldecke ein. Endlos. Gnadenlos. Sinnlos. Getränke gibt es in Plastikgläsern, denn Glas könnte man werfen. Was Stieglitz durchaus in Erwägung zog.
Tagsüber hocken dieselben Geschöpfe stumm über ihren Handys, tauschen Blicke mit dem Bildschirm statt mit Menschen. Abends zahlen sie dann dafür, dass ihnen auch das Reden unmöglich gemacht wird. Die Einsamkeit hat sich also professionalisiert: Sie kommt jetzt mit Nebelmaschine und Laserlicht.
Ist das der Untergang des Abendlandes? Stieglitz sagt: Ja. Wobei er einräumt, dass er als älterer Herr vielleicht nicht die ideale Zielgruppe ist. Aber Tinnitus kennt kein Alter.
Ein schwacher Trost bleibt: Es gibt Jugendliche, die denken, reden, zweifeln. Die geben Hoffnung. Die Disco nur Kopfschmerzen.