Auf dem Weg zur Entschleunigung
Im Herbst 2025 von Dr. Luis Fuchs
„Es sind wertvolle Tage für Kinder und Jugendliche, die heute mehr denn je Entschleunigung brauchen“, erklärte Landesrat Philipp Achammer anlässlich des Jubiläums „25 Jahre Erlebnisschule“ in Langtaufers. An die 30.000 Kinder und Jugendliche haben das Leben in Langtaufers kennengelernt und die Erlebnisschule über die Grenzen hinaus bekannt gemacht, berichtet der „Vinschgerwind“. An der Langtauferer Erlebnisschule wird auf ganzheitliche Erfahrungen Wert gelegt. Das Lernen ist nach den Leitprinzipien „denken – fühlen – handeln“ ausgerichtet. So wird Fischen als begehrtes Wahlfach angeboten; es lässt die Schüler im eigenen Handeln Entschleunigung erfahren. Die Schüler erhalten unter Anleitung eines Fachlehrers Einblick in die Techniken des Fischens und können sich im Angeln beim Fischteich in Glurns versuchen. Beim Schneeschuhwandern nach
Maseben werden die Schüler über die Lawinengefahr informiert, sie lernen, die passende Ausrüstung zu wählen und diese fachgerecht einzusetzen. Im Rahmen der Umweltbildung wird der ökologische Einkauf thematisiert; die Schüler machen sich Gedanken über die Auswahl der Produkte und befassen sich mit der Abfallentsorgung. Lernen mit Kopf, Herz und Hand, achtsam und entschleunigt, ist an dieser Schule die Devise.
Im Beschleunigen unseres Tagesablaufs sind wir Meister, das Entschleunigen hingegen will uns kaum gelingen. Im Trend der Zeit liegt die Maxime „schneller“, welche dem lateinischen Wahlspruch der Olympischen Spiele „citius, altius, fortius“ entspricht. Der Zeitgeist prämiert die Schnellen und Mobilen. Es empfiehlt sich jedoch, der Volksweisheit „Eile mit Weile“ zu folgen. „Das Schnelle ist nicht immer gut, das Langsame nicht immer schlecht“, gab der unlängst verstorbene Zeitforscher Karlheinz Geißler zu verstehen. Pausen dürfen wir nicht als Zeitverlust einstufen, sie sind Gelegenheiten, Abstand zu gewinnen, sich auszuruhen, Kräfte zu sammeln und sich neu zu orientieren. Pausen bringen frische Luft in unseren Alltag.
Auch Warten ist keine „verlorene Zeit“, versichert uns der Zeitforscher Geißler. Wartet ein ungeduldiger Bauer nicht auf den richtigen Zeitpunkt der Ernte, bekommt er weder dicke Kartoffeln noch wohlschmeckende reife Äpfel. An roten Verkehrsampeln müssen wir warten, wenn wir im Leben noch öfter an roten Ampeln warten wollen.
Die Beschleunigung unseres Lebens hängt auch mit der Digitalisierung zusammen. Sind wir uns bewusst, wie viel Zeit wir mit den digitalen Medien verbringen, die wir, um zufrieden leben zu können, gar nicht nötig hätten? Im Alltag hin und wieder bewusst Smartphone, PC und Tablet wegzulassen, kann uns mit wohltuender Entschleunigung einfach nur belohnen.