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  3. Karl Schedereit und sein Vintage America
Lesezeit: 4 min

Karl Schedereit und sein Vintage America

Im Herbst 2025 von Georg Schedereit

Karl Schedereit bei den Dreharbeiten
Karl Schedereit bei den Dreharbeiten

Von Ostpreußen nach Meran – die Anfänge einer Berufung

Karl Schedereit wurde 1925 in Goldap/ Ostpreußen geboren und lebte von 1952 bis zu seinem Tod fast sechs Jahrzehnte lang mit seiner Familie in Meran. Seine ebenso lang andauernde, nie nachlassende Leidenschaft für Film als Beruf(ung) entflammte 1949/50 in München als Fahrer und Regieassistent von Peter Pewas.

Im Schatten der Geschichte

Zuvor hatte er als freiwilliger Funker in einer Waffen SS-Einheit gedient, musste aber wegen Fleckfieber längere Zeit in ein Lazarett; später musste er sich auch vor dem Kriegsgericht verantworten wegen „unerlaubter Entfernung von der Truppe“. Nach dem 2. Weltkrieg kam er weder für Kriegsgefangenschafts- noch Entnazifizierungsmaßnahmen in Frage (anders als sein Vater, der nicht nur Soldat und Lehrer, sondern auch „Gauredner“ gewesen war).

Die Schule des Neorealismus

Zutiefst beeindruckt und inspiriert von den Meistern des italienischen Neorealismus wie Vittorio De Sica und Renzo Rossellini wurde Karl Schedereit im Laufe der Jahrzehnte zum – wie sein erster Kameramann Mario Deghenghi meinte – produktivsten aller deutschen Regisseure von Kultur- und Dokumentarfilmen. Über mehr als 50 Jahre hinweg sprach die FBW (Deutsche Film- und Medienbewertung) fast allen von ihm eingereichten Filmen das Prädikat „wertvoll“ oder „besonders wertvoll“ zu. Bereits in den 50er-Jahren erhielt er zwölf Förderprämien des deutschen Innenministers.

Mehr als zweihundert Filme – ein cineastisches Vermächtnis

Insgesamt liefen in deutschsprachigen Kinos, in fast allen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sowie in Bildungseinrichtungen und auf Festivals mehr als zweihundert (!) Kurzfilme sowie ein halbes Dutzend längerer Dokumentarfilme, Fernsehspiele und auch abendfüllende Spielfilme: „Spaghetti im November“, „Mein Vater war ein Hitlerjunge“, „Ingos Interview“, „Pura Vida“, „Don Pepes Schweiz“, „Gilberto und die Hoffnung“, „Das Jahr der Machete“.

Zwischen Alpen und Mittelmeer

Die ersten Low-cost-Eigenproduktionen hat Schedereit nicht nur in München gedreht, sondern auch in Südtirol, Venetien, Sizilien, Ligurien und anderen Regionen; zwei Dutzend allein in Italien, oft mit dem Meraner Kameramann Mario Deghenghi, zuweilen auch mit einem dritten bekannten Meraner Filmemacher, nämlich Bruno Jori. Später filmte er auch in Senegal, Sri Lanka, Kanada u.a.

Jenseits des Atlantiks – der amerikanische Kontinent

Aber schon seit den 50er-Jahren fokussierte sich Schedereits Filmschaffen immer mehr auf die unterschiedlichsten Gesichter und Trends jenseits des Atlantiks, zuerst jahrelang in den USA und dann noch länger in mehreren Staaten Mittel- und Südamerikas, von Costa Rica (vor allem) über Panama, die Antillen, Trinidad, Venezuela und Ecuador bis nach Chile.

Chronist zweier Welten

Karl Schedereits einfühlsame Beobachtungen der damals sogenannten „Ersten“- wie „Dritten Welt“-Teile machen zusammen weit über die Hälfte seines Gesamtwerks aus. Als Kameramann stand ihm meistens Bodo Kessler aus München bei, eine Zeitlang auch der Deutsch-Israeli Jair Ganor. Nicht nur Planung, Buch und Regie sowie Reise- und Aufnahmeleitung, sondern auch den Schnitt besorgte er mit Vorliebe selbst, wochen- und nächtelang, oft daheim am eigenen 35mm-Schneidetisch sitzend. 

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Meraner Stadtanzeiger 20/2025
Thu, 23. Oct 2025

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