Josefsberg – für immer verwaist?
Im Frühling 2024 von Veronika Rieder
Wer Richtung Töll fährt, sieht gleich nach der Brauerei links oben hinter Bäumen ein Gebäude – ein ehemaliges Männerkloster, das ein kurzes, aber wechselvolles Schicksal erlebte.
Wie bei mehreren Klöstern gibt es auch hier eine Gründungslegende: Der gemütskranke Graf Brandis wollte dem Hl. Josef eine Kapelle errichten, habe aber erst nach der Begegnung mit einem Einsiedler den richtigen Platz dafür gefunden. Tatsache ist, dass der Churer Bischof 1682 in der Nähe des heutigen Gebäudes eine Kapelle weihte. Damals lebten in der abgelegenen Gegend nahe einer Quelle zwei Einsiedler. Sie schlossen sich dem Karmeliterorden an. Einer der beiden, mit Namen Onophrius, hatte von einer Reise ein Bild des Hl. Josef mitgebracht (heute Pfarrkirche Partschins), welches immer mehr Pilger und weitere Einsiedler anzog. Als sie mit Spenden und Stiftungen ein Klostergebäude erbauten, verstieß das in den Augen der Karmeliteroberen gegen den Status einer Einsiedelei. Daraufhin schlossen sich die Brüder Ende des 17. Jhs. dem Hyeromitanerorden an. Bald tauchten die nächsten Schwierigkeiten auf: Die Ortsgeistlichkeit sah in den Patres eine unerwünschte Konkurrenz, weil diese auch Beichten abnahmen. Ein Verbot des Churer Bischofs hielt aber nicht lange: Zu bekannt und beliebt war das Kloster inzwischen geworden. 1756 wurde die Kapelle durch eine Kirche mit 5 Altären ersetzt. Genau 30 Jahre später traf der Auflösungsbefehl ein: 7 Priester, 1 Kleriker und 3 Laienbrüder mussten das Kloster bis 30. September 1786 verlassen. Kaiser Josef II. erachtete beschauliche Klöster für überflüssig. Das Vermögen wurde beschlagnahmt, in den Religionsfond überführt, die Gebäude verkauft. Spätere Pläne, eine Seelsorgestelle einzurichten, scheiterten. Im Schreiben des Innsbrucker Guberniums (11.1.1793) hieß es, dass „von der angetragenen Errichtung einer Expositur auf dem Josephs Berg, oder in Quadrat so wie auch von aller Anstellung eines Priesters daselbst abzukommen“ sei, weil Chur „eine Trenung der zur angetragenen Expositur zuzutheilenden Ortschaften von ihren dermaligen Seelsorgern für den beträchtlichisten Theil eben nicht viel ersprießlich, minder nöthig, und nicht weniger zuwider hält“ und – interessante Begründung! – die „Ortschaften die Exponirung eines Priesters ohnehin nur zur grösßeren Bequemlichkeit verlangen“.
Ein Jahr später versuchte der damalige Besitzer des Klosters erfolglos, ein Heilbad einzurichten. Dieses Schicksal Josefsbergs wiederholte sich in den folgenden 200 Jahren: Besitzer wechselten, Versuche, einen Gastbetrieb, dann eine Sommerfrische aufzuziehen, später Mönche anzusiedeln, scheiterten. In der Zwischenzeit verfielen die Gebäude, schließlich wurde die Kirche abgetragen.
1984 trat eine Wende ein: Der Tourismuspionier Hans Trojer kaufte das ehemalige Kloster und wandelte es in ein Hotel um. Im Burggrafenamt war es bald bekannt, man machte einen Ausflug mit dem Sessellift oder besuchte das Hallenbad. Weiteren Aufschwung bescherte die Zufahrtsstraße, welche Hans Trojer auf eigene Kosten errichtete und für deren Instandhaltung er aufkommen musste. Mit der Zeit flauten Begeisterung und Zuspruch ab, der Betrieb verschuldete – das Land kaufte ihn auf. Nach einigen Jahren Leerstand richtete der Verein La Strada – Der Weg ein Therapiezentrum für Drogenabhängige ein. Schon vorher gab es aufgeregten Widerstand aus der Bevölkerung, die Schlimmstes befürchtete. Als aber nichts dergleichen geschah, gewöhnte man sich daran. Allerdings galt das nicht für die Bewohner des Zentrums: Die langen Winterwochen ohne Sonne drückten auf das Gemüt der Insassen. Auch für eine Wiedereingliederung der Insassen in die Gesellschaft war die abgelegene Lage nicht förderlich.
Seit 2011 steht Josefsberg leer und verfällt. Die Einsamkeit war für Einsiedler anziehend, ist es aber heutzutage nicht mehr. Der Hochspannungsmasten vor dem Haus ist da nur das Tüpfelchen auf dem i. Schwerer wiegt, dass der Hang rutscht, eine Sicherung kostet viel Geld. Ein möglicher Käufer müsste außerdem bei Instandhaltung oder Umbau den Denkmalschutz berücksichtigen. Das nächste Problem stellt die Zufahrtsstraße dar, die er selbst instandhalten müsste. Diese Folgekosten schrecken auch die Gemeinde Algund ab, die Josefsberg um einen symbolischen Betrag kaufen könnte. Ist Josefsberg für den großen Betrieb in der Nähe „brauchbar“? Oder: Wäre es im Zuge oder nach der Elektrifizierung der Vinschger Bahn möglich, eine Haltestelle Forst zu errichten? Direkter Zugang zum Waalweg, mit Aufzügen zu Josefsberg und Braugarten – bleibt es ein Traum??