Essstörungen: Die Bedeutung der Krankenhausbehandlung bei extrem niedrigem BMI

13. November 2025

 

Neue Vorgaben und alarmierende Zahlen aus Südtirol

Essstörungen gehören zu den schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen und stellen sowohl für Betroffene als auch für das Gesundheitssystem eine große Herausforderung dar. Besonders kritisch wird die Situation, wenn der Body-Mass-Index (BMI) auf unter 13 sinkt – eine Schwelle, bei der medizinische Interventionen dringend notwendig werden.

In Italien gilt seit einiger Zeit eine klare Regelung: Patienten mit einem BMI von 12 oder darunter müssen unverzüglich in ein Krankenhaus aufgenommen werden. Diese Maßnahme kann im Notfall auch gegen den Willen der Betroffenen erfolgen. Ziel ist es, lebensbedrohliche Komplikationen und Langzeitschäden zu verhindern. Dieser Ansatz ist Teil des sogenannten „Percorso Lilla“, eines staatlich vorgegebenen Behandlungspfads für schwere Essstörungen.

Ab November 2025 wird auch in Südtirol der „Percorso Lilla“  verpflichtend umgesetzt. Damit gehört Südtirol zu den Regionen, die den Schutz und die Behandlung schwer erkrankter Menschen mit Essstörungen weiter verstärken.

Ein BMI von unter 13 signalisiert einen extremen Mangelzustand des Körpers. In diesem Bereich sind die Organe massiv gefährdet, Kreislaufversagen, Herzrhythmusstörungen und Organschäden können die Folge sein. Viele Betroffene sind in diesem Stadium nicht mehr in der Lage, selbst über ihre Behandlung zu entscheiden, da die Krankheit ihre Wahrnehmung und ihr Urteilsvermögen stark beeinträchtigt. Die stationäre Aufnahme bietet nicht nur medizinische Stabilisierung, sondern auch Zugang zu multidisziplinärer Therapie, die für eine langfristige Besserung notwendig ist.

Eine eigene Untersuchung zur Häufigkeit von Krankenhausbehandlungen bei Südtiroler Patienten mit sehr schweren Essstörungen zeigt eindrucksvolle und besorgniserregende Zahlen für das Jahr 2023. Psychiatrien, Psychosomatik und Kinderpsychiatrie waren für 72 Krankenhausbehandlungen mit 2.858 Aufenthaltstagen verantwortlich, Kinderabteilungen für 39 Aufnahmen und 1391 Tage, an Internistische Abteilungen fanden 8 Aufnahmen mit 109 Tagen im Krankenhaus statt.

Nach Bezirken getrennt steht bei weitem an erster Stelle der Bezirk Brixen mit 70 Aufenthalten im Krankenhaus und 3.067 Tagen . Dort haben auch die Koordinationszentrale des Netzwerks für Essstörungen EATNET und das Exzellenzzentrum für Minderjährige ihren Sitz.  Es folgt der Bezirk Bozen mit 22 Aufnahmen und 735 Tagen im Krankenhaus. In Meran fanden 17 Aufnahmen mit 187 Tagen Verbleib statt, in Bruneck hingegen 5 Aufenthalte mit 64 Tagen. In ganz Südtirol wurden 4443 Tage im Krankenhaus mit 123 Aufenthalten allein von sehr schweren Essstörungen beansprucht. 3 Patientinnen wurden an die Uniklinik Innsbruck überwiesen und verbrachten dort insgesamt 226 Tage.

Demnach mussten zahlreiche Patientinnen und Patienten mit einem kritischen BMI stationär behandelt werden. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie dringend notwendig die konsequente Umsetzung der neuen Richtlinien ist.

Die verpflichtende Aufnahme von Patienten mit einem BMI von 13 oder weniger stellt einen wichtigen Schritt im Kampf gegen die dramatischen Folgen von Essstörungen dar. Der „Percorso Lilla“ sichert nicht nur das Überleben der Betroffenen, sondern eröffnet ihnen auch die Chance auf eine nachhaltige Genesung. Die aktuellen Zahlen aus Südtirol zeigen: Es besteht akuter Handlungsbedarf, und die Einführung der neuen Standards könnte vielen Menschen das Leben retten.

Roger Pycha, Koordinator des Netzwerks für Essstörungen EATNET


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