Der Franz, der Josef, Kaiser Franz-Josef und die Gelbwesten
Im Herbst 2025 von Robert Asam
Letzthin habe ich mich an dieser Stelle mit dem Schild einer Bushaltestelle in Obermais beschäftigt. Da werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich gedacht haben, hat der Mensch sonst keine Probleme. Stimmt, ich sollte mich mit wirklich wichtigen Dingen beschäftigen. Mit dem Feiern zum Beispiel. Oder besser gesagt, mit den Feiertagen. Die Franzosen steigen gerade wieder einmal auf die Barrikaden, weil ihnen die Regierung zwei davon abknöpfen will. Die Gewerkschaften haben Proteste und Streikmaßnahmen angekündigt. Der Franzose – und auch sein weibliches Pendant, die Französin – zieht sich eine gelbe Weste an, errichtet Straßensperren und schlägt alles kurz und klein. So sind sie halt, unsere liebenswerten Nachbarn. Voller Temperament seit dem Sturm auf die Bastille. Italien hat seine wilden Jahre längst hinter sich und an die Nachfolger Napoleons den Titel „Kranker Mann Europas“ abgegeben. Warum sagt man eigentlich nicht auch kranke Frau? Gut, die Regierungschefs von Macrons Gnaden waren immer Männer, aber trotzdem. Warten wir halt noch 2 Jahre. Dann wird dort wieder gewählt.
In Italien haben wir schon eine Frau an der Spitze, aber die macht einen recht gesunden Eindruck und scheut sich auch nicht, die Einführung neuer Feiertage ins Spiel zu bringen. Franz ist dran. Nicht die Franzosen. Die sind Giorgia wurscht. Franz von Assisi soll gefeiert werden, auch der verstorbene Papst und ein paar andere Franzen. Uns Südtiroler und Südtirolerinnen stößt das sauer auf. Warum der Franz, aber noch immer nicht der Josef? Es gibt doch viel mehr Josefs, Peppis, Seppls als Franzens. Und der Joe von Afing würde sich bestimmt auch freuen. Aber nein, der Franz muss es sein. Und wenn schon Franz, warum nicht auch Kaiser Franz. Nicht Beckenbauer, Franz-Josef, der Habsburger.
Es würde mich nicht wundern, wenn der Seppl-Verein, der einmal im Jahr mit einem Foto in der Zeitung von sich reden macht, demnächst die verstaubten gelben Westen aus dem Vereinsschrank holen und zur Josefpeppiseppl-Gesellschaftsdemo aufrufen würde. Da fällt mir ein, was ist eigentlich mit Franziska, und was wäre mit Josefa, Josefine und der Peppi (weiblich!)? Sollen die sich etwa alle weiterhin den Hochunserfrauentag teilen? Und Kaiser Franz-Josef? Müssen wir den dann zweimal feiern? Womöglich in der Franzensfeste? Soll ein Sonderlandtag einberufen werden? Fragen über Fragen, mit denen ich Sie jetzt alleine lassen muss. So gesehen ist es halt doch einfacher, über ein Schild an einer Autobus-Haltestelle zu schreiben.