Milano-Cortina, ein bisschen Antholz und IOCoca Cola
Im Winter 2026 von Robert Asam
Läuft Ihnen auch schon das Wasser im Munde zusammen? Ich kann es kaum noch erwarten. Noch... wie viele Tage? Moment, die „Tagesschau” von RAI Südtirol läuft gerade. Ein Blick auf die rechte obere Bildschirmecke genügt. Noch 8 Tage, dann geht’s los, das nachhaltige Fest des Sports für die Jugend der Welt. Auch bei uns! Sorry, Antholzer:innen, dass ihr einen eigenen Ausweis braucht, um nach Hause zu kommen. Ein Tipp, wenn es einmal nicht klappt: In Bozen gibt es genügend Unterkünfte für Obdachlose. Noch ein Tipp für wahre Biathlon-Fans: Nix ist’s mit der Huber-Alm. Dort ist einen Monat lang die Stiftung Milano-Cortina zuhause. Der Pächter grantelt ein wenig, weil er die gesamte Einrichtung irgendwo anders unterbringen muss. Für die VIP-Gäste braucht es eine stylisch-nachhaltige neue Huber-Alm-Inneneinrichtung. Und dank Milano-Cortina werden die Menschen im Tal gesund ernährt. Nicht alle, aber einige. Eine Hotelierin hat der Süddeutschen Zeitung verraten, dass sie „nur alkoholfreies Corona-Bier und Soft-Drinks vom Coca-Cola-Konzern ausschenken” darf. Die besorgte Antholzer Gastgeberin hofft, dass sie „wenigstens Schlutzkrapfen auf die Karte tun kann“. Auf die Karte schon, nicht aber auf den Tisch. Gegessen und getrunken wird nur, was das IOC kennt.
Alles egal. Das Jahrhundert-Ereignis macht Südtirol bekannt. Auch Athlet:innen aus Papua-Neuguinea werden jetzt zuhause erzählen, wie toll es hier ist. Schon allein deshalb unterstütze ich die Pläne von Tourismuslandesrat Luis Walcher, den unsinnigen Bettenstopp auf die Zeit nach den nächsten Winterspielen im Jahr 2030 zu verschieben. Wir haben ja nicht einmal genug Betten, um die Polizeikräfte problemlos unterzubringen, die Antholz beschützen müssen. Es könnte ja sein, dass Einheimische versuchen, ohne olympischen Reisepass in die eigene Wohnung einzusteigen.
Ich mache mich übrigens rechtzeitig auf den Weg nach Mailand zur Eröffnungsfeier, weil ich für nur 1400 € einen Sitzplatz im San-Siro-Stadion auf einem mittleren Rang ergattert habe. Nein, ich bin kein Olympiamuffel? Im Gegenteil, ich applaudiere allem, was neu und schön und sinnvoll ist. Deshalb werde ich nach den Spielen sofort nach Antholz fahren und mir das nachhaltige, architektonisch wunderbar in die Landschaft passende, neue Speicherbecken für die – ebenfalls neue – Beschneiungsanlage anschauen. Vorher waren da 2,5 Hektar nutzloser Wald. Aber wir bringen Opfer, denn dabei sein ist alles. So gesehen haben wir unsere Goldmedaille schon gewonnen. Und wenn Milano-Cortina in zwei Wochen vorbei ist, dann halt wieder Ukraine-Grönland.