Gymnastik des Geistes
Im Winter 2026 von Georg Schedereit
Gymnasium, der Name dieses Schultyps geht zurück auf das altgriechische gymnázesthai, mit nacktem Körper turnen. Bei unseren Temperaturen muss es ja nicht nackt sein. Aber körperliche Bewegung gehört auch in heutigen Stundenplänen ordentlich aufgewertet, genauso wie Musik.
Dies und anderes hörte ich zum 300. Geburtstag des Benediktinergymnasiums in Meran vom früheren österreichischen Unterrichtsminister Karlheinz Töchterle, zur Frage: Taugt „Humanismus“ noch als Basis heutiger Bildungskonzepte?
„Humanista“ – so nannte man ab dem 14. Jahrhundert Universalgenies wie Francesco Petrarca, Pico della Mirandola und Erasmus von Rotterdam. Sie sprachen und schrieben fließend Latein, nach dem Vorbild des altrömischen Influencers Cicero. Einflussreich idealisierten und deklamierten sie das Griechisch antiker Dichter und Denker.
An den ersten Humanisten Francesco Petrarca, geboren 1304 in Arezzo, erinnerte ich mich kürzlich – anschaulicher als seinerzeit im Gymnasium – in Arquà Petrarca, benannt nach ihm, dem berühmten Liebesdichter (aber auch Augustinus-Anhänger). Dort verbrachte Petrarca schwerkrank seine letzten Jahre (die Heilschlammbäder im nahen Abano hatten auch nicht mehr geholfen). Aber die Wiederbelebung des Wahren, des Schönen, des Guten an der Antike, das ist ihm gelungen. Und die Weiterentwicklung des freien subjektiven Empfindens in Richtung Renaissance-Mensch.
Ein zweiter großer Humanist, Pico della Mirandola, verwendete 1486 erstmals den Begriff der Menschenwürde. Um das als unseren zentralen Verfassungswert zu kodifizieren, haben wir dann fünfhundert Jahre gebraucht, seit Picos berühmter Rede über die Menschenwürde, „oratio de hominis dignitate“.