Omar Visintin bereit für Olympia 2026
Im Winter 2026 von Eva Pföstl
Vom begeisterten Kind auf der Piste zum olympischen Medaillengewinner, vom jungen Einzelkämpfer zum stolzen Familienvater – Omar Visintin hat eine bemerkenswerte Entwicklung durchlebt. Der Algunder Snowboarder hat bereits an drei Olympischen Spielen teilgenommen und dabei olympisches Edelmetall gewonnen. Nun steht sein bisher größtes sportliches Abenteuer bevor: die Olympischen Winterspiele 2026 in Milano Cortina – praktisch vor der Haustür. Mit 36 Jahren und als Vater einer einjährigen Tochter hat sich seine Perspektive auf den Sport verändert, die Leidenschaft aber ist geblieben. Im Interview spricht Omar Visintin über seine Wurzeln in Südtirol, die Bedeutung seines Hausbergs Meran 2000 und darüber, was wahres Glück für ihn bedeutet.
MS: Wie bist du zum Snowboarden gekommen? Gab es ein bestimmtes Erlebnis, das deine Leidenschaft geweckt hat?
Omar Visintin: Ich war sechs oder sieben Jahre alt – ganz genau weiß ich es nicht mehr –, als ich zum ersten Mal einen Snowboarder auf der Piste gesehen habe. In diesem Moment war es um mich geschehen. Es war Liebe auf den ersten Blick, und von da an wusste ich: Das ist mein Sport, das will ich auch können.
Wie hat sich deine Perspektive auf den Sport im Laufe der Jahre verändert?
Ich bin mittlerweile 36 und Vater einer einjährigen Tochter. Das verändert natürlich vieles – nicht nur im Alltag, sondern auch in der Art, wie ich den Sport wahrnehme. Man entwickelt eine andere Perspektive, setzt Prioritäten neu und lernt, Dinge zu schätzen, die früher vielleicht selbstverständlich waren. Die Verantwortung als Vater gibt mir gleichzeitig eine neue Motivation und lässt mich bewusster mit Risiken umgehen. Jeder Tag auf dem Board fühlt sich wertvoller an.
Du hast bereits an drei Olympischen Spielen teilgenommen (Sotschi 2014, Pyeongchang 2018, Peking 2022). Was war der emotionalste Moment deiner olympischen Karriere?
Meine erste olympische Medaille zu gewinnen, war ohne Zweifel das emotionalste Erlebnis meiner Karriere. Nach so vielen Jahren harter Arbeit, unzähligen Trainingseinheiten und auch Rückschlägen endlich ein so großes Ziel zu erreichen – das ist unbeschreiblich. In diesem Moment bricht alles aus einem heraus: die Freude, die Erleichterung, der Stolz. Es ist der Beweis dafür, dass sich Durchhalten und Glaube an sich selbst auszahlen.
Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren immer noch auf Weltklasse-Niveau zu fahren?
Es ist eine Mischung aus Stolz und ständiger Herausforderung. Sich immer wieder durchzubeißen, wenn es mal nicht so läuft, nie nachzulassen und die Motivation hochzuhalten – das ist vielleicht das Schwierigste an einer langen Karriere. Bis jetzt hat sich jeder Kampf gelohnt, und solange ich diese Begeisterung spüre, werde ich weitermachen.
In Kürze finden die Olympischen Winterspiele in Milano Cortina statt. Was bedeutet das für dich? Ist es ein Traum, bei den Heimspielen anzutreten, oder erhöht es auch den Druck?
Ich bin mir bewusst, dass es ein großes Privileg ist, bei Heimspielen dabei sein zu dürfen. Ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist und man immer dafür kämpfen muss. Und so fühle ich mich besonders glücklich, immer noch dabei zu sein und für Medaillen kämpfen zu können.
Ist Milano Cortina 2026 dein großes Karriereziel oder kannst du dir auch noch mehr vorstellen? Wenn ja, was motiviert dich dazu?
Milano Cortina 2026 ist definitiv mein großes Saisonziel. Ich bin einfach so dankbar für alles, was ich bisher erleben durfte, dass ich ohne Druck und mit Gelassenheit ins Rennen gehen kann. Diese innere Ruhe ist vielleicht meine größte Stärke geworden – ich muss niemandem mehr etwas beweisen, sondern kann einfach mein Bestes geben und den Moment genießen.