Warum nicht eine Red Week vor der Black Week?
Im Herbst 2025 von Robert Asam
Nur die wenigsten von uns erinnern sich an den ersten Black Friday. Es war der
25. Oktober 1929. Börsencrash in den USA. Panikverkäufe! Aha, werden die wirtschaftsaffinen Lesenden (Sie sind gemeint, liebe Leserinnen und Leser) jetzt sagen. Aha, deshalb also Black Friday, weil die Händler panikartig alles unter Preis verkaufen. Aus dem Black Friday ist längst eine Schwarze Woche geworden. Wer am Black Friday kommt, der oder die kommt zu spät, weil die Schnäppchen Jagenden (Sie sind diesmal nicht gemeint, nicht alle zumindest), weil also die ganz Schlauen schon Tage vorher Black Friday gefeiert haben. Die wahre Herausforderung an diesen schwarzen Tagen ist aber nicht, etwas zu einem günstigen Preis zu finden, das wir vielleicht sogar brauchen, sondern einen Menschen, der oder die uns das verkauft. Verzeihung, Sie, bitte, können Sie mir sagen… Tut mir leid, bin besetzt. Ich nehme dann meistens einen nicht zu übersehenden Artikel und trage ihn in Richtung Ausgang. Ein Snowboard oder ein Fernseher eignen sich dafür besonders gut. Nicht zu schwer und auch nicht zu übersehen. Das ist – bitte, verstehen Sie mich richtig! – keine Anstiftung zum Ladendiebstahl, sondern die sicherste Methode, um sofort bedient zu werden. Zwei Meter vor dem Ausgang erreicht mich der erste von mehreren Verfolgern. Halt! Ich erfreut: Genau Sie habe ich gesucht. Von wegen. Pech gehabt. Es ist kein Verkaufender, der mich umklammert, sondern ein fast 2 Meter großer, perfekt einsprachiger Sicherheitsmann. War wohl doch keine gute Idee. Überhaupt dieser Black Friday. Alles Schwindel. Der Börsencrash 1929 in New York war am Donnerstag, 24. Oktober. In Europa haben unsere Urgroß- und Großeltern das aber erst mit einem Tag Verspätung mitbekommen, weil sie beim Frühstück nicht ihre Handys kontrolliert haben. Da kommt mir eine Idee: Zuerst Red Thursday, dann Black Friday. Oder noch geiler: Eine Red Week vor der Black Week! Und in nicht allzu ferner Zukunft wird Halloween bis Thanksgiving verlängert und endet übergangslos… Sie wissen schon. So gesehen müssen wir froh sein, wenn uns noch die Zeit für einen Weihnachtsmarktbesuch bleibt. Kraft tanken, damit wir uns nach Neujahr mit Volldampf in den Winterschlussverkauf stürzen können. Wer? Na Sie! Sie sind gemeint!