Wintervorteilswochen
Im Winter 2026 von Robert Asam
Das fängt ja gut an, das Neue Jahr. Wie immer mit Preiserhöhungen, aber darum geht’s nicht. Das sind wir gewohnt. Ich stand schon in den Startlöchern zum Winterschlussverkauf, da höre ich im Fernsehen, wie mir der Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbands erklärt, dass der Winterschlussverkauf bei uns nicht stattfindet, weil es Wintervorteilswochen gibt. Weil er nicht am Ende der Saison stattfindet. Heißt das, dass wir bisher keine Vorteile hatten, wenn wir uns mit Gleichgesinnten um die besten Schnäppchen prügelten? Zugegeben, Wintervorteilswochen klingt eleganter, elitärer.
Wenn das Beispiel Schule macht, wird der inflationäre Weihnachtsmarkt vielleicht zu einem Jesukindlein-Geburtsvorbereitungs-Fest. Schließlich war von einem Markt weit und breit nichts zu sehen, als Josef und Maria damals auf Herbergssuche waren. Allerdings würden sie sich heute ähnlich schwer tun, eine günstige Mietwohnung zu finden.
Ich gehe also erhobenen Hauptes in die Stadt, jederzeit bereit, allen, die es hören wollen, zu sagen, dass ich auf dem Weg zur ersten Wintervorteilswoche meines Lebens bin. Oh, Wintervorteilswoche, das klingt aber interessant, werden die Leute dann sagen und sofort wissen wollen, welche Vorteile die Vorteilswochen hätten. Der Einzelhandel würde saisonale und ältere Produkte zu reduzierten Preisen anbieten, sage ich, um in den Lagern Platz für neue Ware zu schaffen. Aha, ganz was Neues, sagen dann die Leute.
Dann steht plötzlich ein Bekannter mit zwei großen Einkaufstaschen vor mir. Er käme gerade vom Winterschlussverkauf, sagt er stolz. In welcher Welt er leben würde, antworte ich. Ob er nicht wüsste, dass die modernen Wintervorteilswochen den altmodischen Winterschlussverkauf abgelöst hätten. Er schaut mich verständnislos an und geht weiter. Es gibt eben viele Menschen, die sich dem Fortschritt verweigern.