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  3. Mehr als 170 Jahre Tradition in den Meraner Lauben
Lesezeit: 4 min

Mehr als 170 Jahre Tradition in den Meraner Lauben

Die Geschichte des Geschäfts J. P. Rösch

Im Winter 2026 von Eva Pföstl


Wer heute durch die unteren Meraner Wasserlauben schlendert, dem fällt sie sofort ins Auge: die aufwendige Holzfassade aus dunkel lackiertem Kirschholz, verziert mit geschnitzten Matrosen. Dahinter verbirgt sich eine der ältesten Geschichten Merans – die der Familie Rösch.

Vom Sprengstoff zum Hundehalsband

Im Jahr 1853, als Südtirol noch Teil der K. u. K. Monarchie war, gründete Josef Peter Rösch aus Lana in Meran einen Fachhandel für Kolonialwaren: Gewürze, Tabak und Sprengstoff. Der begüterte Geschäftsmann erwarb 1854 das Laubenhaus – auf Wunsch seiner Frau, die Wert auf einen prestigeträchtigen Standort legte.

Was heute kurios klingt, war damals Alltag: Kolonialwarenläden führten schlichtweg alles, was Haushalt und Landwirtschaft benötigten. „Es wurde eine schier unglaublich gemischte Palette an Waren angeboten, sodass wir heute beim Durchlesen der damaligen Werbeanzeigen oft schmunzeln müssen“, erzählt Peter Rösch, der seit 1990 zusammen mit seiner Frau Irene das Geschäft führt. „Das Sortiment reichte von Lebensmitteln bis zu Spezialsamen, von seltenen Gewürzen und Tabak über Wasch- und Putzmittel bis zu Feuerwerk und sogar Sprengstoff.“ Das Geschäft florierte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ die Familie die aufwendig geschnitzte Fassade aus dunkel lackiertem Kirschholz errichten, die 2003 restauriert wurde.

Otto Rösch, Großvater des heutigen Besitzers, verstarb sehr früh und Alois Rösch, der Vater von Peter Rösch, übernahm das Haus und das Geschäft. Alois hatte sein Handwerk in Mailand gelernt und betrieb in Meran das Lebensmittelgeschäft „Verdross" (heute Bar Lauben). Nach dem Tod des Vaters besaß Alois Rösch zwei Geschäfte: eines in den oberen Lauben und das mittlerweile florierende Waffengeschäft in den unteren Lauben.

Lose Ware und gelöschtes Licht: Erinnerungen an andere Zeiten

Als Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg zu Italien kam, musste sich das Geschäft neu erfinden. Neue Behörden, andere Kunden, veränderte Warenströme – die Familie Rösch meisterte den Wandel mit Anpassungsfähigkeit und Geschick. In der Zwischenkriegszeit wurde der vordere Teil des Ladens vermietet, im rückwärtigen Teil lief der Verkauf weiter. Als in den 1950er-Jahren die Zeiten besser wurden, übernahm Otto Rösch wieder den gesamten vorderen Teil – in dieser Form besteht das Geschäft bis heute.

„Zu Großvaters Zeiten war vieles anders“, erinnert sich Peter Rösch. „Von Verpackungsflut keine Spur – alles wurde lose verkauft und in großen Schubladen aufbewahrt. Sparsamkeit war oberstes Gebot: Das Licht wurde gelöscht, wenn keine Kunden im Laden waren.“ Kurios mutet an, dass Bauern Schwarzpulver kauften, um Wurzelstöcke auf ihren Feldern zu sprengen. Doch der Handel mit Waffen und Sprengstoff brachte auch Unannehmlichkeiten. Zur Zeit der Bombenanschläge in Südtirol in den 1960er-Jahren wurde Alois Rösch, der 1959 den Betrieb von seinem Vater Otto übernommen hatte, immer wieder von der Polizei kontrolliert. Auch die Ermittlungen zur Mordserie Ferdinand Gamper führten die Carabinieri wiederholt ins Ladengeschäft.

Das Geschäft heute

In den folgenden Jahrzehnten verlagerte sich der Fokus mit dem Generationenwechsel zunehmend auf Jagdausrüstung und Hundeartikel. 1990 übernahm Peter Rösch mit seiner Frau Irene – von ihm liebevoll die „gute Seele des Betriebs“ genannt – den Familienbetrieb und spezialisierte sich auf Tierbedarf, Küchenutensilien und Outdoor-Zubehör.

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