Auf ein gutes neues Jahr!
Im Winter 2025 von Der Stieglitz
Ein Jahr geht zu Ende, und Stieglitz hat wieder reichlich Federn gelassen. Kritik hier, Kritik dort – kein Missstand blieb unkommentiert. Und natürlich hagelte es zurück: „Arrogant!“, tönte es aus dem Rathaus. Die Frau Bürgermeisterin höchstpersönlich fand – freundschaftlich – deutliche Worte.
Aber Kritik gehört zum guten Journalismus wie das Gezwitscher zum Vogel. Eine Lokalzeitung, die nur Loblieder singt, könnte man gleich durch Hochglanzprospekte der Tourismusbranche ersetzen – spart Papier und Peinlichkeit. Nein, nein, Meran braucht einen Stieglitz! Einen, der unbequeme Fragen stellt, wenn die Restaurantpreise steil nach oben schießen, die Gemeindemieten ins Unermessliche steigen und auf Spazierwegen die Toiletten fehlen – Prioritäten muss man eben setzen. Einen, der nachfragt, wenn der Bettenstopp mehr Löcher hat als der Schweizer Käse – und genauso teuer ist. Einen, der Ehrenbürgerschaften für verdiente Bürger fordert und nicht wegschaut, wenn Behinderte Preisexplosionen von 77 % auf ihren Skipass hinnehmen müssen.
Kritik ist unbequem. Sie stört beim Kaffeekränzchen der Empörungsdemokraten. Aber sie regt zum Nachdenken an – und das ist ihre Aufgabe. Eine Lokalzeitung ohne kritischen Geist ist wie Meran ohne Kurpromenade: Theoretisch möglich, aber sinnentleert. Auf ein neues Jahr voller produktiver Reibung! Stieglitz wird weiter kritisieren, die Bürgermeisterin weiterhin nicht stets zufrieden sein und Meran wird – hoffentlich – ein bisschen besser werden. Oder wenigstens ein bisschen ehrlicher.
Denn am Ende wollen wir doch alle dasselbe: eine Stadt, in der man nicht nur gut Urlaub machen, sondern auch gut leben kann. Sogar für störrische Vögel mit großer Klappe.
Allen Leserinnen und Lesern wünscht Stieglitz ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr.