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  3. Die dunkle Krippe
Lesezeit: 4 min

Die dunkle Krippe

Im Winter 2025 von Waltraud Holzner


Alljährlich wird im Refektorium des Deutschordenskonvents in Lana in Südtirol ein großer Krippenberg aufgebaut, der von Frater Gabriel Anton Hochkofler erdacht und in langer, mühevoller Arbeit gestaltet wurde.

Eine einzigartige Krippe, schlicht und ehrlich

Diese Krippe ist wohl einmalig in ihrer Art. Ernsthaft und dennoch mit hintergründigem Humor ausgestattet. Zeitumspannend in ihren Aussagen – ein fast kahler, nur mit Moos bewachsener Hügel, von dem sich eine Straße abwärts windet, unten eine kleine, schmucklose Grotte – der Stall von Bethlehem. Die einfachen Figuren und Objekte sind aus naturbelassenen Apfelbaumästen stilisiert.

Keine Weihnachtsromantik

Wenn allzuoft die knappen Worte des Lukasevangeliums so interpretiert werden, dass die Ereignisse um Christi Geburt in verklärtem Licht erscheinen und ausufernde Fantasien märchenhaften Weihnachtszauber erstehen lassen, tritt beim Betrachten dieser Krippe Ernüchterung ein. Gewohnte Idylle fehlt. Keine Spur von Weihnachtsromantik. Nicht Glanz und Pracht, kein herziges Älplergetümmel.

Biblische Figuren in modernem Gewand

Ehrlich und ungeschönt wird die Kargheit dargestellt, in der die Geburt des Erlösers stattfand. Einige biblische Figuren erfüllen mit Gerätschaften unseres Zeitalters ihr Werk, zum Beispiel Johannes der Täufer, der dem Herrn vorausgeht und ihm mit einer Straßenwalze den Weg ebnet. Oder Herodes, der mittels eines Hubschraubers des neugeborenen Königs habhaft werden will.

Der Blick nach unten

Der Blick senkt sich wegabwärts, die Hirten und das Volk begleitend, bis zum Kind in der Krippe, dem Reisig, aus einer Wurzel zart entsprungen. In tiefster Erniedrigung, wie ein Tierjunges auf dem Stroh eines Stalles, ist Gottes Sohn Mensch geworden. Und wenn wir ihn in unseren Mitmenschen begegnen wollen, müssen wir den Blick abwärts, in die Niederungen der Armut, der Not, der Einsamkeit richten.

Gegen oberflächliche Gefühlsduselei

Das unscheinbare Holzästchen, welches das Jesuskind symbolisiert, wird niemanden zu oberflächlicher Gefühlsduselei stimulieren, aber es kann Erkenntnisse bewirken. Diese Erkenntnisse stellen die Art, wie Advent und Weihnachten gefeiert werden, in Frage.

Weihnachten als Spektakel?

Mancherorts ist diese Zeit zu einem jahrmarktähnlichen Spektakel degeneriert, geschmacklos und schrill. Das Wörtchen „Umsatzsteigerung“ versetzt so manchen in gehobene Weihnachtsstimmung. Kling, Kasse, klingelingelig … (Also wirklich, pfui, zu diesen zähle ich mich nicht, ich bin NUR Käufer!)

Andernorts werden in gemütlicher Runde und bei Kerzenschein Lieder gesungen (jene, mit denen die obgenannten Konsumenten in Kaufhäusern und an Marktständen berieselt werden), es werden Geschichten gelesen, die meistens von armen Leuten handeln, denen das liebe Christkind just am 24. Dezember ein dürftiges Lichtlein beschert, man knabbert Süßes und genießt Wärme und Geborgenheit. Da stellt sich das echte Weihnachtsgefühl ein, das innige, das fromme … Oder etwa nicht?

Die Ernsthaftigkeit des Freudenfestes

Wie oft wird Stimmung und Laune in den Vordergrund gestellt und des Erlösungswerkes nicht gedacht.

Auch viele Krippendarstellungen, denen Kunst- oder Unterhaltungswert und deren Schöpfern fromme Gesinnung keineswegs abgesprochen werden soll, täuschen den Beschauer mit eier-, brot- und wurstschleppenden Hirten, putzigen Engelchen und allerlei herzigem Gevölk und Getier über die Ernsthaftigkeit dieses Freudenfestes hinweg.

Die wahre Solidarität mit den Armen

Wie gerne identifizieren wir uns beim lieblichen Anblick solch einer Krippe mit dem eifrigen Getümmel vor Bethlehems Stall! In frommem Überschwang sind wir der Überzeugung, wir würden dem Kinde alles schenken, wenn es da leibhaftig, arm und bloß vor uns läge. Unser ganzes Hab und Gut würden wir ihm geben, lieben wollten wir es, vom ganzen Herzen…

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