Verzweifelte Hilferufe erreichen Stieglitz
Im Winter 2026 von Der Stieglitz
In der noblen Kurstadt ereignet sich täglich ein kleines Theaterstück der besonderen Art: Ältere Menschen schwingen ihre Gehstöcke und spazieren lieber zwischen surrenden Autos als über die vorgesehenen Gehsteige. Man kann es ihnen schlecht verübeln.
Denn diese sind wahre Abenteuerparcours: Wurzeln sprengen Platten in bester Sprengmeister-Manier, Risse klaffen wie Schluchten, das Pflaster wellt sich mit künstlerischer Hingabe – und ein Hüftbruch lauert an jeder Ecke. In einer Stadt, die sich dem Wohlbefinden ihrer Gäste verschrieben hat. Herrlich konsequent.
Während die Straßen – langsam, ganz langsam, ach so unendlich langsam – (und oft nur abschnittsweise) saniert werden und so manche Hauptdurchzugsstraße, wie z. B. die Petrarca-, Gampen-, Rom-, Piave- und Freiheitsstraße den Charme eines desolaten Feldweges verströmen, der gar nicht zum Image der Kurstadt passen will, fristen die Gehwege ihr Dasein als vergessenes Stiefkind der Stadtplanung. Paradebeispiele? Reichlich vorhanden. Ein Abschnitt der Dantestraße – sportlich anspruchsvoll, Wanderstöcke empfohlen, Steigeisen optional. Vom Mazziniplatz zur Raetiabrücke genießen Kinder im Kinderwagen eine kostenlose Rütteltherapie. Und die losen Porphyrsteine auf Gehsteigen und Plätzen? Perfekte Stolperfallen für alle, denen der Alltag nicht aufregend genug ist. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Gehsteige haben in dieser Stadt offensichtlich keine Priorität.