Meraner Kabarett Tage: Klug, absurd und unterhaltsam
Wenn die Köpfe rauchen!
Die Meraner Kabarett Tage zwingen das Publikum wie immer, über äußerst interessante Fragen nachzudenken: Was unterscheidet Hildegard Knef von ihrer Zwillingsschwester Irmgard? Wer vertreibt sich die Zeit mit Rotwein und Stricken und überrascht gegen Aufpreis mit anarchistischem Verhalten? Und was muss man wissen, damit man in Frieden ruhen kann und trotzdem noch laut und deutlich gehört wird? Da raucht der Kopf, nicht wahr? Soll er ruhig. Der Kopf darf rauchen, auch in geschlossenen Räumen. Apropos: Alle Antworten auf diese und viele andere Fragen erhält das Publikum ab 12. März im Stadttheater Meran, das sich nach der Renovierung in neuem Glanz präsentiert. Ein Grund mehr, sich das Programmangebot der Kabaretttage nicht entgehen zu lassen.
Die falsche Zwillingsschwester
Zu Frage 1: Hildegard Knef, Deutschlands Chansonsängerin mit der rauchigen Stimme, hatte keine Zwillingsschwester. Aber der Kabarettist Ulrich M. Heissig, hat für DIE KNEF eine erfunden. Das war vor gut 20 Jahren. Und seither feiert Irmgard, die fiktive Zwillingsschwester, Erfolge und wird in höchsten Tönen gelobt. Als Kabarettistin! Und Hildegard wird sich im Grabe umdrehen. Am vergangenen 28. Dezember wäre sie 100 geworden. Irmgard hat die runde Zahl geschafft und steht auf der Bühne. Manchmal etwas wackelig aber immer standhaft. Vergangene Zeiten reflektierend und den aktuellen Zeitgeist kommentierend. Sie singt und swingt und lästert über Politik, Religion, Alter und Sex und hat sich damit erfolgreich von ihrer viel berühmteren Schwester Hildegard emanzipiert. Aber keine Sorge, „irgendwas mit Rosen kommt auch vor”. „Irmgard Knef. Noch da! 100 Jahr – blondes Haar” ist zur Eröffnung am 12. März nicht nur ein Abend für Knef-Freunde, Irmgard-Fans und Chanson-Liebhaber, sondern für alle Bewunderer der modernsten geriatrisch- medizinischen Entwicklung.
Rotwein und Strickmuster
Zu Frage 2: Sie ist Gast beim Berliner Literaturfestival, beim München Slam, auf jeder nur erdenklichen Kabarettbühne zu sehen, macht Filme, Comedy und kann Wutausbrüche, z. B. wenn die Pizza nicht kommt, die sie bestellt hat. Die Rede ist von Lara Stoll, die nicht zufällig als charmantester Poetry-Punk der Schweiz gilt und zum 2. Mal Gast bei den Meraner Kabaretttagen ist. Ihr 5. Soloprogramm „Volume 5 – die Rückkehr!” zeigt sie am 14. März in Meran und ist absurd, witzig, steckt voller Selbstironie und anarchisch angehaucht. Wer wissen will, was eine Schweizerin über die Schweiz denkt, bekommt die Antworten von Lara Stoll auf dem Silbertablett serviert. Und wer sie auf der Bühne toben gesehen hat, wird verstehen, dass sie auch zur Ruhe kommen muss. Also: Rotwein und jedes 2. Jahr stricken im Dezember.
In Frieden ruhen, aber laut
Zu Frage 3: „Allein”, das erste Soloprogramm von Robert Palfrader, war ein Abend für Gläubige, Agnostiker, Atheisten und alle, die es noch werden wollen. Am Ende war klar, dass „Atheisten auch nicht so super sind”. Jetzt folgt Solo Nummer zwei mit dem ebenso schlichten wie neugierig machenden Titel „Testament”. Was darf das Publikum erwarten? Könnte es sein, dass es etwas bei Robert Palfrader zu erben gibt? Nicht unbedingt. Aber Palfraders pointierte Betrachtungen und Überlegungen zu allem, was man wissen muss, damit man in Frieden ruhen kann, aber trotzdem noch laut und deutlich gehört wird. Das Ganze präsentiert mit schauspielerischer Wucht, Wiener Schmäh und schwarzem Humor. Ein Programm über die Löffelabgabe und letzte Worte. Das Bild vom Zuschauer, der sich totlacht, wollen wir an dieser Stelle nicht bemühen. Zu sehen in Meran am 21. und 22. März.