Eine galaktische Gemeinschaft von Lebewesen
Im Winter 2026 von Robert Asam
Kürzlich habe ich eine Definition für den Chaos Computer Club gelesen. Interessiert mich nur am Rande, werden Sie jetzt denken. Halt, halt! Interessante Parallelen tun sich auf. Der Chaos Computer Club (CCC) ist eine galaktische Gemeinschaft von Lebewesen für Informationsfreiheit und Technikfolgenabschätzung. Wikipedia weiß, dass der CCC 1981 in Deutschland von einer Hacker-Gruppe gegründet wurde. Mittlerweile hat sich der CCC – Zitat – „zu einer maßgebenden Nichtregierungsorganisation (NGO) in allen Fragen der Computersicherheit“ entwickelt. Und da musste ich unwillkürlich an unseren digitalisierten Südtiroler Sanitätsbetrieb denken. Also nicht, was die Computersicherheit angeht, und die Technik- folgenabschätzung habe ich auch ausgeklammert, aber der Rest! Irgendwie ist der Sanitätsbetrieb doch eine Gemeinschaft von Lebewesen, wenn auch nicht galaktisch. Nein, überirdisch wäre eindeutig übertrieben für jene Lebewesen, die an unserem Gesundheitsbetrieb seit Jahren herumdigitalisieren, um nicht zu sagen, herumhacken. Aber auch bei Hackern gibt es Profis und Amateure. Sie denken jetzt, der kann auch nur kritisieren und sonst gar nichts. Sie haben recht. Ich bin nur ein unbedeutender user, dem es manchmal gelingt, bis in die galaktischen Sphären von My Civis vorzudringen. Aber wesentlich härter trifft das Schicksal jene Gemeinschaft der Lebewesen, die zahllose Arbeitsstunden mit Kopfschütteln verbringt, weil das neu installierte Programm ebenso viele Rätsel aufgibt wie das vorherige. Und das vorvorherige. Zum Glück gibt es die SWZ, die Südtiroler Wirtschaftszeitung, die uns Hoffnung macht: „Der Südtiroler Sanitätsbetrieb will bis 2019 mit 41 Millionen Euro seine Informatisierung vorantreiben.” Oh, zu blöd, 2019 war ja schon. Vielleicht klappt es bis 2039. Müssen die Medien immer mit dem Finger in der sanitären Wunde herumstochern: „Schlecht vernetzt!” (ff), „Das IT-Chaos!” (Neue Südtiroler Tageszeitung). „Digitalisierung, schlecht gemacht, spart eben nicht, sondern kostet Geld – und Nerven”, sage nicht ich, sondern kommentiert die Süddeutsche Zeitung. Woher weiß das Blatt, was bei uns los ist? Könnte oder sollte man..., ja, warum nicht, den deutschen CCC zu Hilfe rufen? Nach dem Motto, ein Chaos Club hilft dem anderen. Wenn das wegen der Privacy-Bestimmungen nicht möglich ist, weil dann Hacker aus dem Ausland auf unsere Gesundheitsakten zugreifen könnten, kann man immer noch in Trient nachfragen. Angeblich hat die Nachbarprovinz ein IT-Programm, das weniger gekostet hat und sogar halbwegs gut funktioniert.
So gesehen muss dort eine galaktische Gemeinschaft von Lebewesen am Werk sein.