Das ist der neue Luxus: Stille
Im Sommer 2025 von Dr. Luis Fuchs
Wonach sich viele sehnen in unserer aufgeregten Zeit, damit befasst sich die Sommerausstellung im Rudolf-Stolz-Museum von Sexten: Stille. Dem Titel der Ausstellung Stille - Silence entsprechend laden Exponate dazu ein, „sich bewusst der Stille zu stellen, innezuhalten und hellhörig zu werden“. An einem Ort wie Sexten, dem infolge zunehmender Tourismusströme „Übertourismus“ droht, sind die Möglichkeiten, Stille zu erfahren, bereits begrenzt. Im Hochsommer verkommt der bequeme Weg um die Drei Zinnen mit bis zu 13.000 Tagesausflüglern zu einer „Ameisenstraße“, wie er von einer enttäuschten Urlauberin bezeichnet wurde. Doch muss sich niemand einem überlaufenen Trampelpfad ausliefern. Gerade das Fischleintal oder das Innerfeldtal kann man auf abseitigen Wiesen- und Waldwegen in idyllischer Ruhe erwandern.
Vor 25 Jahren hat der Künstler Franz Messner auf dem Rotsteinknott bei Vöran das „Knottnkino“ aufgebaut. Die Wanderer werden eingeladen, auf 28 Kinostühlen aus Stahl und Kastanienholz das weit umspannende Panorama auf das Etschtal und die umliegenden Berge wie einen Film in Echtzeit und wechselndem Programm zu betrachten. Das Kino der Stille spielt Naturerlebnis pur.
In einer Aura seliger Ruhe fühlt man sich beim Kirchlein auf der Roenalm aufgehoben. Die Kapelle auf dem Mendelkamm ist zu Ehren der „Madonna della Neve“ geweiht und wird von den Alpini betreut. Bei guter Witterung bietet sich eine beeindruckende Aussicht im Osten auf die Dolomiten, im Westen auf die Brenta-Gruppe und talwärts ins Etschtal an. An der Kapelle ist eine Holztafel angebracht, in die in Relief der erste Vers von Goethes „Wanderers Nachtlied“ geschnitzt ist: „Über allen Gipfeln ist Ruh.“ Selbstredend fährt man fort: „In allen Wipfeln spürst du kaum einen Hauch; die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde ruhest du auch.“
Stille ist der neue Luxus. An dieser Überzeugung orientiert sich der norwegische Autor Erling Kagge in seinem Bestseller „Stille. Ein Wegweiser“. In einer Welt, die von ständigem Lärm und hektischem Treiben geprägt ist, hat sich Stille zu einem kostbaren Gut entwickelt. Stille bedeute, auf sich selbst zu hören, auf die geliebten Menschen und auf die Welt um uns herum, beteuert Erling Kagge. Der Autor entführt uns in die Stille in uns selbst und zeigt uns, dass wir auch in einer lauten Welt Stille empfinden können.