Solides Handwerk für gesunde Füße
Im Sommer 2025 von Eva Pföstl
28 Knochen, 32 Muskeln und Sehnen, 27 Gelenke und 107 Bänder im Fuß sorgen – im Idealfall – für einen geschmeidigen Gang und gutes Stehvermögen. Wird das Zusammenspiel dieser Komponenten gestört, sei es durch bewegungsarmen Lebensstil, Unfälle oder Verletzungen, aber auch durch falsches und unpassendes Schuhwerk, ist die Unterstützung eines Experten unerlässlich: Simon Volgger ist ausgebildeter Orthopädieschuhmacher und leistet eine höchst anspruchsvolle, absolut notwendige Arbeit in einem Beruf mit sicherer Zukunft.
„Schuster, bleib‘ bei Deinen Leisten!“ Diesen Spruch kennt wohl jeder. Orthopädie-Schuhmachermeister Simon Volgger ist Schuhmacher in dritter Generation und schon früh in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters getreten und diesem Handwerk treu geblieben. Er wuchs in Moos im Passeiertal gemeinsam mit seinen drei Geschwistern auf. „Wir waren viel in der Werkstatt, haben dort gespielt, gewerkelt und uns auch mal in den Finger geschnitten“, erzählt er. Und so sei wohl auch seine Liebe zu diesem Beruf gewachsen. Bereits mit 15 begann er seine Ausbildung und besuchte anschließend vier Jahre lang in mehrwöchigen Blöcken die Schule für Orthopädieschuh- macher:innen in Hall in Tirol. Nach dieser Ausbildung absolvierte Volgger eine Meisterschule mit Schwerpunkt Orthopädie, Podologie und Physiotherapie in Landshut. 2017 eröffnete er sein Geschäft in St. Leonhard (sein Vater war von 1957–2017 in Moos in Passeier tätig). Heute ist Simon Volgger weit über das Passeiertal hinaus als Meister seines Fachs bekannt und geschätzt.
Eine sinnvolle Tätigkeit
Die Herstellung orthopädischer Schuhe und Einlagen erfordert viel Handarbeit, denn kein Fuß gleicht dem anderen. Zu den Werkzeugen gehören Hammer, Zangen und Raspeln – ähnlich wie beim traditionellen Schuhmacherhandwerk. Für seine Arbeit braucht der 28-Jährige vor allem Kraft und Geschick. Es ist ein echtes Handwerk, alles sind Einzelstücke. „Wenn man konzentriert arbeitet, ist es wunderschön, fast meditativ, am Ende siehst du, was du gemacht hast, machst Menschen glücklich, eine wirklich sinnvolle Tätigkeit, die Freude macht“, erzählt er. Was ihm weniger Freude bereitet, ist die „Zettelarbeit“ – der bürokratische Aufwand der durch die Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst entsteht.
„Ein Schuhmacher muss handwerklich geschickt, kreativ, kontaktfreudig und wegen der oftmals stinkenden Füße auch geruchsresistent sein“, sagt er schmunzelnd. „Man darf keine Scheu davor haben, fremde Füße in die Hand zu nehmen!“
Maßgeschneiderte Perfektion und Nachhaltigkeit
In seiner Werkstatt fertigt Simon orthopädische Maßschuhe und individuelle Einlagen nach Gipsabdruck – ganz ohne Fertigeinlagen oder Rohlinge. Bevor es an die eigentliche Fertigung geht, nimmt sich der erfahrene Orthopädieschuhmacher viel Zeit für die Vermessung der Füße seiner Kundschaft. „Jeder Fuß ist einzigartig“, betont er, „und deshalb wird zunächst die Trittspur mithilfe einer Silikonmembran aufgenommen. So erhalten wir den genauen Fußabdruck.“
Für die Schuhherstellung wird anschließend der sogenannte Leisten aus Holz hergestellt und darauf wird später dann der Schuh zusammengesetzt. „Ein guter Leisten ist das A und O. Wenn der nicht passt, passt der Schuh am Ende ebenfalls nicht“, erklärt er. „Nach dem Leisten geht es an die Fertigung des Oberteils und dann ans Zwicken“, erläutert Volgger. Dabei werden alle Teile mit Nägeln auf dem Leisten angebracht. „Daraufhin klopft man 3.000 bis 4.000 Mal auf den Schuh, um die Übergänge zwischen den einzelnen Teilen unsichtbar zu machen“, sagt der 28-Jährige.
Im nächsten Schritt wird die Außenkante der Schuhe vernäht, gefolgt von der Anbringung der Sohle und des Absatzes. In einem der letzten der unendlich vielen Arbeitsschritte geht es darum, den Leisten vom restlichen Schuh zu trennen. Insgesamt investiert der Schuhmacher 40 bis 60 Stunden in die Herstellung eines einzigen Paares Schuhe.
Jeder Schuhtyp, sei es „Oxforder“, „Derby“, „Monk“ oder „Slipper“, kann aus Rindsleder, das aus Norditalien kommt, oder Velourleder, das aus den Niederlanden bezogen wird, gefertigt werden. Auch maßgefertigte Sneakers sind möglich, wobei diese allerdings weniger langlebig sind. Jeder Schuh verfügt über eine individuell angefertigte Einlage und einen passenden Schuhspanner, um die Passform zu optimieren.