Kant sein
Im Sommer 2025 von Robert Asam
„Von uns selbst wollen wir schweigen. Denn das Betrachten seiner selbst kann leichtlich zu Schwärmerei und Wahnsinn führen“. Wenn das der größte deutsche Philosoph schreibt, dann wird man umso neugieriger über sein Leben im Königsberg des 18. Jahrhunderts.
Neues dazu veranschaulicht eine zum 300. Geburtstag von Immanuel Kant eröffnete Ausstellung im Lüneburger Ostpreußen-Museum. In Berlin hat die internationale Forschung und auch die deutsche Staatsspitze ihn vier Tage lang hochleben lassen. An allen drei Orten erfuhr ich mehr über Kants Sein als seinerzeit im Unterricht. In Italien ist die europäische Aufklärung und diese ihre deutsche Leitfigur nie als so zentral für unsere europäischen Werte gewürdigt worden. Anders an Südtirols Lehranstalten, im Jubiläumsjahr auch mit Tagungen an der Akademie deutsch-italienischer Studien in Meran und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen.
Bis in unser 21. Jahrhundert hinein wurde Kant als staubtrockener Stubengelehrter und schwieriger Hagestolz dargestellt. Erst die drei jüngsten seriösen Biographien zeichnen ihn menschlicher: Marcus Willaschek 2023, Volker Gerhardt 2024, Manfred Kuehn 2025.
Überraschend: in jungen Jahren lebte er vom Billardspielen; man nannte ihn „den eleganten Magister“, so modebewußt war er; und seine mittäglichen Tischgesellschaften unterhielt er recht witzig, auch politisierend.
Kant wurde 1724 im ostpreußischen Königsberg geboren, damals fünftgrößte deutsche Stadt, heute russisches Kaliningrad. Er war das vierte von neun Kindern einer frommen Handwerkerfamilie.
Die Mutter starb, als Immanuel dreizehn war. Zitat: „Sie pflanzte und nährte den ersten Keim des Guten in mir“ - vielleicht war das schon der erste Keim zu Kants späteren obersten moralischen Vernunftprinzip?
Trotz einfacher Herkunft besuchte Kant die beste Schule von Königsberg, eine protestantische mit Unterricht ab 7 Uhr früh, gut 40 Stunden wöchentlich, davon 17 Stunden allein Latein, ferner je 5 Stunden Religion und Griechisch, 4 Stunden Hebräisch usw.!