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Lesezeit: 2 min

Nichts weckt die Erinnerung so wie der Duft

Im Sommer 2025 von Dr. Luis Fuchs


Bereits ein Waldspaziergang kann helfen, Stress abzubauen. Die Medizinische Universität Wien hat eine Feldstudie durchgeführt, bei der eine Gruppe von gesunden Erwachsenen 20 Minuten im Wienerwald spazieren ging, während eine andere Gruppe sich in einer städtischen Umgebung ohne Begrünung aufhielt. Die anschließend erhobenen Daten ergaben, dass sich bei der Waldgruppe eine Reduktion des Cortisolspiegels eingestellt hat; das Cortisol ist als Stresshormon bekannt. Mit dem Waldspaziergang hat der Stress messbar abgenommen, wird im Fachjournal Forests berichtet. Diesen Effekt führen Wissenschaftler vor allem auf eine Gruppe botanischer Duftstoffe zurück, die wir im Wald einatmen: die Terpenoide. Als besonders wirksam erweisen sich vor allem jene Terpenoide, die Nadelbäume wie Fichten, Kiefern und Tannen verströmen, erfahren wir im www.geo.de.

Am 27. Juni wird der Weltdufttag als jährlicher Aktionstag begangen. Im Sinne des Initiators Matti Niebelschütz soll der Tag gezielt dazu anregen, sich der faszinierenden Welt der unterschiedlichen Düfte bewusst zu werden. Signale, die durch den Geruchsinn wahrgenommen werden, beeinflussen als Duft-Informationen unser Unterbewusstsein stärker als Bilder oder Töne. Der Geruch nach frisch gemähtem Gras, Holunderblüten, Lindenblüten oder intensiv duftenden Kohlröschen lässt dann schlagartig Erinnerungsbilder beispielsweise an die Kindheit auferstehen. Forscher nennen es das „Proust-Phänomen“. Der Begriff wurde von zwei Psychologen geprägt, wobei sie sich an einer Szene aus dem Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust orientierten.

Auch in der Menschheitsgeschichte spielte der Duft schon immer eine wichtige Rolle. In den alten Hochkulturen Ägyptens und Indiens wurde die aphrodisierende oder berauschende Wirkung kostbarer Duftstoffe hochgeschätzt. Weihrauch war eine der drei Gaben der Heiligen Drei Könige bei Jesu Geburt. Religiöse Rituale der Antike kamen kaum ohne eine Räucherung mit dem Harz des Weihrauchbaumes aus. In der katholischen Kirche steht sein Rauch als Symbol für das aufsteigende Gebet.

Gibt es einen Duft, der von allen Menschen gleichermaßen angenehm oder unangenehm empfunden wird? Die Wissenschaft verneint dies. Jeder Mensch hat seine eigenen persönlichen Lieblingsdüfte, denn der Geruchssinn regt ganz individuell Gefühle an. Bei zwischenmenschlichen Beziehungen spielt der Geruchssinn eine besondere Rolle. „Ich kann dich gut riechen“: Dieses geflügelte Wort hat schon so manche Beziehung besiegelt. Und tatsächlich: Der Duft von Mann und Frau beeinflusst mit, ob man sich auch liebt. Vor 30 Jahren ergab eine Studie des Evolutionspsychologen Claus Wedekind von der Universität Bern, dass Menschen mit Hilfe ihres Geruchssinns den richtigen Partner auszuwählen scheinen.

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