40 Jahre Meraner Höhenweg
Am 30. Juni 1985 wurde nach 10-jähriger Bauzeit in Katharinaberg die Fertigstellung des Meraner Höhenweges gefeiert. Dieser beeindruckende Weg, der als „Freundschaftsband von Hof zu Hof, von Gemeinde zu Gemeinde, von Tal zu Tal“ bezeichnet wird, ist auf seiner gesamten Länge von etwa 100 km mit der Markierung Nr. 24 gekennzeichnet. Er verbindet auf spannende und außergewöhnliche Weise Wanderung und Bergtour rund um den Naturpark der Texelgruppe. Bei seiner Planung und Errichtung wurden größtenteils bereits bestehende historische Wege integriert, die seit Jahrhunderten von den Bergbauern genutzt wurden. Diese wurden zu einer einzigen, zusammenhängenden Route verbunden.
Helmuth Ellmenreich († 2002), damals erster Vorsitzender der Sektion Meran im Alpenverein Südtirol, und Robert Schönweger, Wege- und Markierungswart, waren die treibenden Kräfte bei der Realisierung dieses Projekts.
Die Entstehung des Meraner Höhenweges
Der Meraner Kaufmann Helmuth Ellmenreich wurde 1963 zum ersten Vorsitzenden der AVS-Sektion Meran gewählt. Er griff die Idee des Wegewartes Oswald Wallnöfer auf, an der Südseite der Texelgruppe einen Panoramahöhenweg mit Blick auf Meran und das Burggrafenamt zu errichten. Bereits im Jahr 1959 hatte die AVS-Jugend der Sektion Meran einen Steig vom Hochganghaus nach Nassereith gebaut. 1960 wurde die anspruchsvolle Trasse des „Franz-Huber-Weges“ ausgebaut, der nach dem ersten Vorsitzenden der im Jahr 1946 neu gegründeten AVS-Sektion Meran benannt wurde. Der Bau dieses Wegstücks nahm mehrere Jahre in Anspruch. Erst ab den 1960er-Jahren wurde das Teilstück von Longfall zum Talbauer angelegt, das von Longfall zu den Muthöfen „Talbauer“ und „Hochmut“ sowie über Leiteralm, Hochganghaus, Nasereit und Gigglberg einen durchgehenden Weg schuf. Für diese Strecke schlug Helmuth Ellmenreich den Namen „Meraner Höhenweg“ vor. Im Jahr 1968 wurde Robert Schönweger zum Wege- und Markierungswart der AVS-Sektion Meran berufen. Gemeinsam mit Helmuth Ellmenreich arbeitete er an ihrer Vision weiter: Der bestehende Teil des Höhenwegs sollte nach Westen und Osten verlängert werden. Dabei war das Ziel, den Weg, soweit möglich, stets auf der Höhe der obersten Berghöfe zu führen und diese miteinander zu verbinden. Nach anfänglichem Zögern und Zweifeln konnten die Bergbauern schließlich die Idee nachvollziehen und sahen darin eine Chance, vom aufkommenden Tourismus zu profitieren. Sie erkannten die Möglichkeit, Wanderern Kost und Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten. In der Folge fanden zahlreiche Treffen und Gespräche zwischen den Bauern und dem Alpenverein statt, um die Pläne weiter voranzutreiben.
Ein hochalpines Meisterwerk
Die erste Verlängerung erfolgte von Longfall über Gfeis nach Vernuer. Das Teilstück von Longfall nach Gfeis wurde bereits von Hans Prünster, besser bekannt als der „Walde Hans”, angelegt. Nun plante man die jeweiligen Verlängerungen in die westliche und nördliche Richtung, vom Gigglberg über Hochforch zum Schnatzhof sowie von Vernuer bis Magdfeld.
Robert Schönweger hatte bei seinen Erkundungsgängen keinen Vermessungstechniker dabei und technische Instrumente, so wie wir sie heute kennen, standen damals nicht zur Verfügung. Sehr oft wurde er von ortskundigen Hofbewohnern, Jägern und Förstern begleitet und beraten. Der Wege- und Markierungswart hatte stets Farbe und Pinsel dabei und markierte die Stellen, an denen später die Arbeiten am Weg notwendig waren oder alte Steige miteinander verbunden werden mussten. Die tatkräftige Mitarbeit und die Sachkenntnis der Bergbauern waren dabei von unschätzbarem Nutzen.
Das Teilstück Vernuer-Magdfeld war relativ einfach zu realisieren. Schwierig wurde es hingegen im Bereich vom Gigglberg nach Schnatz. Das Wegstück Gigglberg-Hochforch war im Verhältnis dazu leicht anzulegen. Die Überwindung der Lahnbach-Schlucht wiederum stellte für die Planer eine große Herausforderung dar: Das Gelände musste mehrmals abgegangen, Wegvarianten besprochen und Alternativen gesucht werden. Die Anlage einer direkten Verbindung Hochforch-Schnatz war mit den damaligen finanziellen und technischen Mitteln für die Sektion Meran des AVS allein nicht zu stemmen. Aus diesem Grund fiel die Entscheidung auf den bereits vorhandenen Abstieg von Hochforch nach Karneil. Dort musste der Weg noch etwas tiefer angelegt werden, damit der Lahnbach an einer sicheren Stelle überquert werden konnte. Auf der gegenüberliegenden Flanke ging es wieder hinauf nach Staud, dann über den Grubhof nach Galmein und von dort weiter nach Innerforch bis Lint bzw. Unterstell. Die heutige direkte Verbindung Hochforch-Schnatz über 1000 Stufen wurde später gemeinsam mit der Naturparkverwaltung verwirklicht.