Ein Konklave für Meran
Im Frühling 2025 von Robert Asam
Wir Meraner/-innen haben es tatsächlich geschafft. Meran ist eine von nur drei Gemeinden, in denen die Beteiligung an der Gemeinderatswahl unter 50 Prozent lag. Das muss uns erst einmal jemand nachmachen. Etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten blieb der Wahl fern. Mag sein, dass das lange Wochenende schuld war, eine Magen-Darm-Grippe grassierte oder alle beim Feiern waren, weil der FC Obermais gerade die Oberligameisterschaft gewonnen hatte. Das sind aber noch lange keine 50 Prozent. Und die Gruppe der Nichtwähler/-innen, also die Es-nutzt-ja-sowieso-nix-Brotler, hat es immer gegeben. Wenigstens steht Katharina Zeller mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen und rückte das überschwängliche Lob des TV-Moderators von RAI Südtirol im Wahlstudio sofort zurecht. Nicht jede/r dritte Meraner/in hätte sie gewählt, sondern 33 Prozent von 50.
Apropos Prozent: Es ist uns Meranerinnen und Meranern gelungen, den Negativrekord vom 1. Wahlgang noch weiter nach unten zu drücken. Und das, obwohl kein langes Wochenende gelockt hat, auch keine neue Magen-Darm-Grippe in Umlauf war, und der FC Obermais nicht schon wieder aufgestiegen ist. Und in der Petrarcastraße war kein Stau, weil die 140 Jahre alte Zeder endgültig aus dem Weg geräumt wurde. Hoffentlich war der Weg ins Wahllokal wenigstens für den Freiberufler frei, der im Tagblatt anonym seinem Ärger Luft machen durfte, weil der Baum bei Tag und nicht in der Nacht gefällt wurde.
So gesehen gab es diesmal keine Ausreden, nicht zur Wahl zu gehen. Außer der Wahlmüdigkeit, nach der Frühjahrsmüdigkeit die meistverbreitete Müdigkeit. Es ist ja auch wahnsinnig anstrengend, das Wahllokal zu suchen und zu finden, wenn man ohne Google Maps unterwegs ist. Und dann das Kreuz mit dem Kreuz. Ich weiß nicht, was wählen. Gut, dann lässt man es besser. Immerhin haben noch 40 Prozent ihr Wahllokal gefunden und eine Entscheidung getroffen.
Für die nächste Stichwahl hätte ich einen Vorschlag: Ein Konklave für Meran. 133 alte Männer, ausschließlich Meraner, nehmen uns die Arbeit ab, indem sie sich in die Rathaus-Bar einsperren lassen und für uns wählen. Wenn aus dem Rathauskamin weißer Rauch in den Meraner Himmel steigt, haben wir eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister. Ob wir das so schnell erledigen wie die Kardinäle in Rom, bezweifle ich allerdings. Aber je länger das Gemeinde-Konklave dauert, desto besser für den Tourismus. Tausende Gäste werden in die weltweit einzige Stadt strömen, die ihr Oberhaupt nach Papstmanier wählt. Und damit das Warten nicht zu langweilig wird, organisiert die Kurverwaltung einen Konklave-Markt, wo Bürgermeister/- innen-Devotionalien angeboten werden.