Das Lachen, das Standardwerk
Im Frühling 2025 von Georg Schedereit
Wenn wir „Das Lachen“ ernstnehmen wollen, dann kommen wir um „Das Lachen“ nicht herum. „Le rire“ ist seit 1900 der philosophische Bestseller dazu, aus der Feder des Franzosen Henri Bergson. Er findet: „Komisch ist jeder Vorfall, der unsere Aufmerksamkeit vom Geistigen aufs Körperliche lenkt, vom Gehalt auf die Form.“ Komisch wirkt es z.B., wenn ein Pfarrer, ein Dirigent, oder ein Festredner im feierlichsten Moment seines Auftritts unverhofft heftig niesen muss. Oder wenn eine Lehrkraft im Schulunterricht mit irgendeinem Tick auffällt, etwa eine immer gleiche Kopf- oder Handbewegung oder Formulierung. Oder wenn ein Nachrichtensprecher statt „Bewölkungszunahme“ eine „Bevölkerungszunahme“ vorhersagt oder statt „Gewinnsumme“ eine „Gewinnsuppe“. Beides schon passiert in unserer Tagesschau …
„Wir lachen, wenn der Buchstabe den Geist schikaniert“, so formuliert es der Literaturnobelpreisträger Bergson, „wenn der Körper die Seele nicht aufkommen lässt“.
„Allem Komischen liegt eine Starrheit zugrunde, eine gewisse Ungeselligkeit.“ Wie bei Don Quijote: Man geht seinen Weg immer geradeaus, hört und sieht nichts anderes.
„Wir lachen, wenn sich so eine mechanische Starrheit wiederholt. Weil sie nicht übereinstimmen will mit der inneren Geschmeidigkeit des Lebens“, so der Lebensphilosoph Bergson.
Über so etwas Starres wie ein Springteufelchen, das einfach nicht in der Schachtel bleiben will, können schon Babies lachen