Klärende Gespräche in der Sommerhitze
Im Sommer 2025 von Robert Asam
Ich bin für Hitzeferien. Wenn das Thermometer 35 und mehr Grad anzeigt, brennen die Sicherungen durch. Für Schüler:innen gibt es Hitzeferien, aber Politiker:innen hätten sie genauso nötig. Da genügt eine Regenbogenfahne, und schon gerät das Blut in Wallung. Herrn Galateo zum Beispiel, seines Zeichens Landeshauptmann-Stellvertreter, unterlaufen technische Fehler. Nie und nimmer hätte er sonst einen Post seines Partei-Fratellos Salvadori gelikt. So heißt das jetzt, wenn man zustimmt. Allerdings hat Herr Salvadori Hitlers Propagandaminister Goebbels zitiert. Da ging es auch um eine Fahne, der das Volk, also wir, folgen müssten. Nicht der Regenbogenfahne, igittigitt! Der Eine zitiert eine Nazigröße, dem Anderen gefällts, aber nur aus Versehen. Blöd gelaufen. Weil es nicht um die Trikolore ging, blieb auch die gesamtstaatliche Empörung aus. Die fascia nach wenigen Sekunden ablegen ist ganz, ganz schlimm. Aber Goebbels zitieren? Wer war der Mann eigentlich? Und dann diese Hitze, da verwechselt man(n) schon einmal Daumen unten mit Daumen oben.
Vermutlich hat es inzwischen ein klärendes Gespräch mit dem Landeshauptmann gegeben. So wie damals nach dem Fackelzug, den der italienische Freizeit-Traditionsverein Casa Pound organisiert hatte. Der Landeshauptmann-Stellvertreter ist mitmarschiert. Das war allerdings im Februar, und wenn ich mich recht erinnere, so heiß war es damals nicht. Eine Regenbogenfahne war bei dem Fackelzug nicht zu sehen, ja, nicht einmal ein Regenbogen. Wenn eine solche Fahne aber im Landespressesaal hängt, geht das gar nicht. Das hat sich auch Herr Galateo gedacht und den Saal gar nicht erst betreten. Man muss Haltung zeigen, mit wem man marschiert, was man liked und was nicht. Und wenn hinterher der Landeshauptmann zum klärenden Gespräch bittet, dann geht man hin. Schon aus Höflichkeit. Nomen est omen. Schließlich steht galateo im Italienischen für Anstand, für gutes Benehmen. Na also.
Der nicht ganz so wichtige fratello Salvadori ist übrigens als Gemeinderat in Bozen zurückgetreten. Nach einem klärenden Gespräch mit Bozens neuem Bürgermeister. So gesehen sollte der Landeshauptmann überlegen, klärende Gespräche dem Bozner Bürgermeister zu überlassen. Nicht nur im Sommer.