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  3. Stiege zum Himmel
Lesezeit: 4 min

Stiege zum Himmel

200 Jahre Stilfser-Joch-Straße


Planung und Umsetzung in Rekordzeit

Als Kaiser Franz I. 1818 entscheidet und anweist: „Es braucht eine direkte Straßenverbindung zwischen Österreich und dem Königreich Lombardo-Veneto über die Rhätischen Alpen“, geht alles ganz schnell: 1819 wird Ing. Carlo Donegani aus Brescia mit der Planung beauftragt, er liefert noch im selben Jahr ein Projekt und 1820 beginnen auf der lombardischen Seite die Bauarbeiten für das 1. Baulos. Auf der Tiroler Seite beginnen die Arbeiten im Frühjahr 1823 und sodann von Prad nach Spondinig, entlang dem Flussdelta vom Sulden- und Trafoi-Bach, das damals noch nicht verbaut war. Bis zu 2000 Arbeiter schuften an der Baustelle knapp 5 Jahre lang und stellen sie in Rekordzeit fertig. Als der Staatskanzler Fürst Clemens Metternich im Auftrag des Kaisers am 06.07.1825 das Joch befährt, wird die Straße ihrer offiziellen Bestimmung als Militär-, Handels- und Poststraße übergeben.

Tourismusentwicklung dank der Gäste aus Meran

Meran ist in dieser Zeit ein aufstrebender Kurort, bei den Meraner Gästen spricht sich die Existenz dieser „Stiege zum Himmel“ herum, die Einblicke in eine gigantische Bergwelt ermöglicht, ohne selbst ein Bergsteiger zu sein. Ab den 1850er-Jahren gibt es einen regen Kutschenverkehr zwischen Meran und Spondinig zum Stilfser Joch: Dieses technische Wunderbauwerk und seinen landschaftlichen Reiz „muss man gesehen haben.“ Als schließlich im Jahre 1906 die Zugstrecke Meran-Mals eröffnet wird, kommt es zu einem regelrechten Tourismus-Boom im Ortlergebiet. Gar einige Hotels entstehen und der Bahnhof von Spondinig wird zum Knotenpunkt für die Kutscher in Richtung Stilfser Joch.

Erste Automobile auf der Stilfser-Joch-Straße

Auch die ersten Bergfahrten mit Autos beginnen am Stilfser Joch bereits früh: So brechen 1898 sieben Motor-Kutschen auf zum Stilfser Joch, aber nur 3 erreichen den Startpunkt Trafoi, um über Meran und Bozen nach Cortina zu fahren; dies war die erste Alpenfahrt überhaupt. Bei dieser Automobil-Veranstaltung hatte auch ein wichtiger Südtiroler Tourismuspionier seine Hände im Spiel: Theodor Christomannos, Investor und Hotelier in Trafoi, Sulden und am Karerpass und wohnhaft in Meran. Nach dieser Pionierfahrt wagen sich immer mehr Automobilisten auf die „höchste befahrbare Bergstraße Europas“. 1925 wird anlässlich des 100-jährigen Jubiläums ein Autorennen ausgetragen, Mitorganisator ist der Automobilclub Meran.

Das „höchste Auto-Berg­rennen der Welt“

In den 1930er-Jahren war das Stilfser Joch Austragungsort für internationale Autorennen. 1932 wird die „Internationale Bergmeisterschaft“ ausgetragen. Asse des internationalen Rennzirkus gaben sich am Stelvio ein Stelldichein. Mit Rudolf Caracciola, Hans Stuck, dem „Bergkönig“, waren zwei deutsche Superstars dabei. Auch die „Scuderia Ferrari“, das Rennteam von Alfa Romeo mit Enzo Ferrari als Rennsportleiter, war mit großen Namen wie Tazio Nuvolari und Mario Tadini vor Ort. Am Sonntag, 28.08.1932 wird das Rennen direkt vor dem Hotel Bella Vista in Trafoi, an der Kurve Nr. 46, um 9.00 Uhr gestartet.

Das Rennen, ein Herzschlagfinale

Im 3-Minuten-Takt starten zuerst die Serienautos, dann folgen die Rennwagen. Der Lautsprecher kündigt schließlich Startnummer 68 an …  „Hans Stuck … partito … gestartet“ … Jetzt wird es spannend. Wenige Minuten nach dem Start steigen unten im Trafoi-Wald mächtige Staubwolken auf, noch bevor der weiße Mercedes-Benz-SSKL-Rennwagen zu sehen ist, kündigt sich eine heroische Fahrt an. Stuck ist Spezialist für Bergrennen, er vollbringt mit seinem schweren Auto wahre Wunder. Er wirbelt um die Haarnadelkurven, lässt seinen Motor aufheulen und rast ungestüm ins Ziel, Bestzeit! Das Publikum tobt – aber es bleibt wenig Zeit für Kommentare, denn Tazio Nuvolari, startet mit Nummer 72 gleich nach Stuck. Der „fliegende Mantovaner“ hat vergessen, seine Renn-Brille aufzusetzen, trotz Staub und Fahrtwind greift er auf der gesamten Serpentinenreihe voll an. Der Italiener liegt jedoch leicht hinter dem Zeitplan zurück, schließlich braucht er 20 Sekunden länger als Stuck.  Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Kribbelig warten alle auf den Trainingsbesten: „Rudi Caracciola Nr. 98 … partito/gestartet …“ tönt es aus dem Lautsprecher. Das Publikum folgt ihm auf der gesamten Strecke und beobachtet seinen eleganten Stil in den Haarnadelkurven und die Beschleunigung des Wagens auf den kurzen Geraden. Alle fiebern mit, aber letztendlich ist auch „Caratsch“ mit seinem Alfa Romeo 8C um ein paar Sekunden langsamer als sein Landsmann Stuck. Jetzt kann nur noch einer vorne eingreifen: Mario Tadini mit seinem roten Alfa Romeo P3 von der „Scuderia Ferrari“ mit der Nummer 100 – er ist in den Haarnadelkurven sehr schnell unterwegs. Das Publikum spürt sein wunderbares Rennen und trägt ihn begeistert über die Kurven hoch. Es wird ein Herzschlagfinale: Tadini befindet sich in der letzten Haarnadelkurve, nur noch wenige Meter vor der Ziellinie, doch plötzlich wird das Auto für einen kurzen Moment langsamer, aber es reicht, um das Rennen zu verlieren. Die Stoppuhr bleibt um einen Wimpernschlag nach Stucks Bestzeit stehen. Stuck gewinnt, Tadini ist Zweiter, Caracciola Dritter und Nuvolari muss sich mit dem vierten Platz begnügen.

Das „Höchste Bergrennen der Welt“ wird bis 1939 jährlich ausgetragen.

1953 Giro d’Italia & Cima Coppi

Auch der Radsport schreibt am Stilfserjoch Sportgeschichte: Der Giro d’Italia kommt 1953 zum ersten Mal auf‘s Joch: Zwischen Trafoi und dem Stilfser Joch liefert sich Coppi mit dem Träger des rosa Trikots, dem Schweizer Hugo Koblet, ein spannendes Duell. Coppi hängt ihn und auch seinen Dauerrivalen Gino Bartali in den Kurven des Stilfser Jochs ab, Fausto steigt „einsam wie ein Adler auf zum Stelvio“ schreibt die „Gazzetta dello Sport“ und sichert sich so seinen fünften Giro-Gesamtsieg. Das Stilfserjoch wird bei den Radfans zur Legende und bekommt den Namenszusatz: „Cima Coppi“.

Stephan Gander

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Ausgabe 13/2025
Meraner Stadtanzeiger 13/2025
Thu, 03. Jul 2025

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  • Sterbehilfe
  • Stiege zum Himmel
  • Klärende Gespräche in der Sommerhitze
  • Die Strand-Lappenblume
  • Die Gilfenklamm und die Ruine Reifenegg

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