Steine und Erde sind langweilig? Nicht für Sonja Pircher!
Im Sommer 2025 von Eva Pföstl
Steine und Erde verraten uns viel über unsere Vergangenheit, unsere Zukunft und prägen unsere Gegenwart. Wenige Menschen können diese faszinierenden Zusammenhänge so begeisternd vermitteln wie die Meraner Geologin Sonja Pircher. Als renommierte Spezialistin für angewandte Geologie bietet sie vielfältige Dienstleistungen in den Bereichen Baugeologie, Hydrogeologie, Tiefbrunnenbau, Umweltgeologie, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Hangbewegungen (wie Rutschungen und Steinschlag), Schutzbauten, Gefahrenzonenplanung sowie Bauleitplanänderungen an. Sonja Pircher ist bekannt und geschätzt für ihre Fähigkeit, geologische Konzepte und Methoden direkt auf praktische Fragestellungen anzuwenden. Spezialisiert ist sie auf die Durchführung geologischer, geotechnischer und umweltgeologischer Untersuchungen, Studien und Ausführungsprojekte für öffentliche und private Auftraggeber.
Schon während ihrer Schulzeit am Realgymnasium in Meran entwickelte sie eine Leidenschaft für geowissenschaftliche Fragestellungen. Besonders das Fach Erdgeschichte gehörte zu ihren Lieblingsfächern.
Nach dem Abitur, das sie mit einer kleinen Sinnkrise absolvierte – denn zunächst stand Zahnmedizin auf ihrer Wunschliste –, entschied sie sich schließlich für ein Geologiestudium in Bologna. Und sie hat es nie bereut. „Geologie war das perfekte Studium für mich“, blickt Sonja Pircher zurück. „Egal ob Physik, Chemie, Mathematik, Paläontologie, Mineralogie oder Geomorphologie – im Geologiestudium verknüpften wir Werkzeuge aus allen Naturwissenschaften, um das komplexe Zusammenspiel des Untergrundes zu analysieren. Wir waren nicht nur im Hörsaal, sondern auch viel draußen im Gelände unterwegs. Das kameradschaftliche Miteinander war eine wunderbare Erfahrung und hat uns Studierende und Professoren zusammengeschweißt. Denn eines hatten wir alle gemeinsam: Wir wollen die Erde besser verstehen!“
Männerdomäne Geologie?
Nach dem Studium führte sie ihre Reise für einige Wochen nach Indonesien. Anschließend begann sie in verschiedenen Geologiebüros in Meran, Bozen und Seis zu arbeiten. Mittlerweile ist sie seit 30 Jahren erfolgreich und selbstständig in ihrem Beruf tätig. „Ich liebe die Herausforderung, Entscheidungen zu treffen und Projekte eigenverantwortlich zu leiten“, erzählt sie mit Begeisterung. Zu Beginn ihrer Karriere erhielt sie große Unterstützung von Ludwig Nössing, dem erfahrenen Alt-Landesgeologen, sowie von Rudolf Pollinger, dem ehemaligen Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz. „Beide haben an mich geglaubt, mir Türen geöffnet und mir die Chance gegeben, mich in einer damals noch überwiegend männlich geprägten Branche zu beweisen“, so Sonja.
Persönlich hat sie noch nie direkte Diskriminierung oder Respektlosigkeit erlebt. „Aber die Männer schauten mir zu Beginn oft skeptisch hinterher. Und einige Scherze musste ich auch hinnehmen“, sagt sie lachend. Heute liegt ihr viel daran, ihren Beruf bei jungen Frauen bekannter zu machen und ihnen Mut zu machen, sich ebenfalls in einer solchen – nicht mehr männerdominierten – Domäne zu behaupten.
Schlüsselakteure für die Zukunft
In einer Welt, in der Nachhaltigkeit und Risikomanagement immer größere Bedeutung gewinnen, spielen Geologinnen und Geologen eine zentrale Rolle.
Sie setzen die Erkenntnisse der geologischen Prozesse in Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt und für die Absicherung unseres Lebensraumes um. Die Gefahrenzonenplanung z.B. ist wie das Erstellen einer Landkarte für die Zukunft“, erklärt Pircher. „Es geht nicht nur darum, zu verstehen, wie die (zu untersuchende) Umgebung oder der Bodenuntergrund heute beschaffen sind, sondern auch, wie sie sich unter bestimmten Bedingungen verändern werden.“