Bockerhütte – Straße statt Wanderweg
Im Winter 2026 von Der Stieglitz
Südtirol tut so, als mache man sich ernsthaft Gedanken über die Zukunft des Landes. Während oben groß über nachhaltige Entwicklung geredet wird, holt die Gemeindeverwaltung von Dorf Tirol seelenruhig ein Projekt aus der Schublade, das 2016 bereits krachend gescheitert ist. Chapeau.
Das Ziel: die Bockerhütte auf 1.700 Metern im Naturpark Texelgruppe. Wirtschaftlich gut geführt. Ohne Straße. Erreichbar über einen reizvollen Wanderweg durch das Spronsertal. Erst vor wenigen Jahren erweitert – zur Freude der Wanderer und der Kühe.
Unerträglich, nicht wahr?
Also soll der Wanderweg einer Straße weichen: 3,5 Kilometer Straße, 700 Baggerstunden, 3 Kilometer Zyklopenmauern – in einem der schönsten Naturparks Südtirols auf 1.700 m, finanziert vom Steuerzahler.
Dabei liegt die Lösung auf dem Tisch: Eine modernisierte Materialseilbahn bringt Personal, Tierarzt und sogar Erholungssuchende, die Mühe mit dem Gehen haben, zuverlässig auf die Alm – leise, günstig, gesetzlich möglich. Wenn eine Materialseilbahn für die intensiver genutzte Oberkaser Alm ausreicht, warum nicht auch für die Bockerhütte? Zusätzlich wäre eine Belieferung mit Drohnen möglich.
Stieglitz fragt sich: Haben unsere Politiker den Mut, Projekte von gestern in der Schublade zu lassen, wo sie hingehören? Oder fehlt ihnen schlicht die Vorstellungskraft für ein Südtirol, das seinen Wert kennt?