Wasser – ein schützenswertes Gut
Im Winter 2026 von Dr. Luis Fuchs
„Quelle statt Plastik“ lautet der Slogan, mit dem die Stadtwerke Meran auf die Qualität des Meraner Leitungswassers aufmerksam machen. Anlässlich des Weltwassertages werden die Bürger auch eingeladen, zum „Tag der offenen Tür“ am 21. März das Wasserreservoir Naif zu besichtigen.
Es ist so einfach: den Hahn aufdrehen und schon läuft Wasser in Strömen. Bisher mussten wir uns keine Gedanken darüber machen, wie wir den Verbrauch drosseln könnten. Wer denkt beim Verzehr eines Wiener Schnitzels daran, dass in der Produktion eines Kilogramms Rindfleisch 15.400 Liter Wasser stecken, während das Fleisch selbst nur rund 700 Gramm Wasser enthält? Zu denken geben sollte auch die Menge Wasser, die für die Produktion einer Jeans verbraucht wird: Es sind ganze 11.000 Liter, wobei 85 Prozent allein auf die Herstellung und Gewinnung der benötigten Baumwolle entfallen.
Angesichts des Klimawandels werden wir nicht daran herumkommen, sparsamer mit der wertvollen Ressource Wasser umzugehen. Dabei ist unser „blauer Planet“ doch zu 70 % von Wasser bedeckt. Allerdings sind davon 97 % Salzwasser und nur 3 % trinkbares Süßwasser, wovon der größte Teil in Form von Eis in Gletschern gespeichert ist. Dabei kommen im überreich mit Wasser versorgten Europa nur 10 % in den privaten Haushalten an. Etwa die Hälfte wird für die Industrie gebraucht und 40 % fließen in die Landwirtschaft.
Der Ruf nach weiteren Speicherbecken ist gerade letzthin nicht zu überhören. Zum Teil dienen sie als Vorrat für den Kunstschnee auf und neben den Pisten. Auch die Landwirtschaft hängt mit den schwankenden Wetterlagen und längeren Trockenperioden zunehmend am Tropf der Vorratsbecken. Die Alpen sind mehr denn je im Wandel begriffen. Der Alpenkenner und Journalist Georg Bayerle beobachtet diese Entwicklung seit mehreren Jahrzehnten. In seiner jüngst veröffentlichten Streitschrift „Alpen-Appell“ analysiert er schonungslos den Zustand eines immer fragiler werdenden Ökosystems. Im Abschnitt „Kampf ums Wasser“ geht er auf die geplanten Speicherbecken im Überetsch ein. Im Gebiet von Kaltern eskaliert bereits der Streit, stellt der Autor fest. Die Vertreter der Landwirtschaft wollen nämlich gleich mehrere Wasserspeicher in die bisher intakten Bergwälder von Altenburg und Montiggl bauen. „Dass diese Wälder grüne Lunge, Naherholungsgebiet und weitgehend unbeschädigte Ökosysteme sind, spielt aus der Sicht der Initiatoren nur eine untergeordnete Rolle“, bedauert Georg Bayerle.
Im Vinschgau war und ist Bewässerungswasser eine lebensnotwendige Existenzgrundlage. Auf der Malser Heide wird ein Waal als „Kriegwaal“ bezeichnet. Wohl kein Zufall, denn bereits um 1390 wurde in der Chronik des Priors Goswin vom Kloster Marienberg von bösen Streitigkeiten zwischen Burgeis und Mals berichtet. Eine Reihe von Prozessen war die Folge, die bis zur endgültigen Klärung der Wasserrechte zwischen 1425 und 1727 geführt wurden.