Editorial 05/2026
Im Winter 2026 von Eva Pföstl
Meran und die Musik? Das passte schon immer zusammen. In unserer Kurstadt suchten Musiker und Komponisten seit mehr als hundert Jahren Ruhe, Inspiration und Erholung. Edvard Grieg, Béla Bartók, Giacomo Puccini, Arnold Schönberg – sie alle zog es hierher. 1922 begleitete Richard Strauss im Stadttheater ein eigenes Liedprogramm, ein Jahr später leitete Bruno Walter das Meraner Kurorchester. Die Stadt hatte schon damals einen guten Klang – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
Diese Tradition lebt bis heute. In unserer Titelgeschichte stellen wir das Festival Sonora vor, das der Verein Conductus noch bis zum 8. April in Meran ausrichtet. Das Thema der diesjährigen Ausgabe: Klassik – verstanden nicht als Epoche, sondern als Eigenschaft. Was macht ein Kunstwerk zeitlos? Was verleiht ihm jene Qualität, die Jahrzehnte, mitunter Jahrhunderte überdauert? Fünf Veranstaltungen, fünf Perspektiven auf eine große Frage.
Und dann ist da Hermann Schnitzer. 1986, anlässlich des 150. Geburtstags der Kurstadt, rief er die Meraner Musikwochen ins Leben – heute südtirol festival meran, eines der renommiertesten Klassikfestivals Europas. Er hat Meran auf die internationale Landkarte gesetzt, eine Schachweltmeisterschaft mitorganisiert, Netzwerke geknüpft und Türen geöffnet. Nun übergibt er das Präsidium. Eine Ära endet – aber wer Schnitzer kennt, weiß: Ein Abschied ist das nicht wirklich.