Frühlingsgefühle! Positiv bleiben, auch wenn’s schwer fällt
Im Winter 2026 von Robert Asam
Ich bitte Sie eindringlich, liebe Leserinnen und Leser, die positiven Dinge des Lebens nicht zu übersehen. Der Frühling kommt, und nicht einmal Trump und Netanjahu können das verhindern. Frühlingsgefühle sind doch etwas Schönes. Die Nase rinnt, die Augen brennen und der Hals kratzt. Jammern Sie nicht, es gibt Menschen, die haben wirkliche Probleme. Die russischen Tennisspieler zum Beispiel, die nicht wussten, wie sie vom Turnier in Doha zum nächsten nach Indian Wells (USA) reisen können. Ich kann Sie beruhigen, liebe Leser:innen. Die geplagten Tennisstars haben ihr Ziel erreicht. Und wer jetzt noch immer irgendwo auf der Welt unfreiwillig in einer stickigen Abflughalle herumsitzt, hat es vermutlich versäumt, gut Tennis spielen zu lernen.
Weil wir gerade vom Sport reden und von positiven Dingen: Wir haben die Olympischen Spiele überstanden, und die Paralympics verursachen nicht so viel Aufregung. Sind ja auch nur Paralympics. Antholz hat sich schon ausgeklinkt. Was bleibt, ist die Nachhaltigkeit (sic!). Allerdings, nichts ist so nachhaltig wie der Gesangsmarathon von Sanremo. Eine ganze Woche lang hat Italien dieser schnöden Welt den Rücken gekehrt, um am Ende in den 1970er-Jahren aufzuwachen. Wer sich nicht die Ohren, sondern die Augen zugehalten hat, musste glauben, Al Bano und Romina Power hätten ein Comeback gefeiert. Und der Text des Siegerliedes, so schön positiv. Ein Hochzeitsversprechen „Per sempre si... davanti a dio e per l’eternitá”. Italien besinnt sich also wieder auf seine Stärken: heiraten und Kinder machen. Nicht in der Sanremo-Woche, weil da alle bis spät nachts vor der Kiste saßen, aber jetzt! Auf die Plätze, fertig, los! Frühlingsgefühle. Schon vergessen?
Es wäre alles so positiv gewesen, wenn sich nur am Duett-Abend diese zwei Sängerinnen nicht geküsst hätten. Auf den Mund! Igitt! Die der traditionellen Familie zugewandte Mamma RAI hat sofort reagiert. Sekundenschnell wechselte die Regie von der Nahaufnahme auf eine Ansicht aus sicherer Entfernung. Wir wollen es mit den Frühlingsgefühlen nicht übertreiben. So gesehen bin ich beruhigt und positiv gestimmt. Sollten sich Donald Trump und Frau Meloni beim nächsten Zusammentreffen abbusseln, wir werden es, wenn überhaupt, nur von ganz weit weg sehen. Und falls beide im Duett „Per sempre si” anstimmen..., den Ton können wir zur Not selbst abstellen.