Freiheitsstraße: Die Kunst des ewigen Wartens
Im Herbst 2025 von Der Stieglitz
Dreißig Jahre für die MeBo? Lächerlich! Die Freiheitsstraße toppt das locker. Hier wird seit zwei Jahrzehnten an der Neugestaltung gefeilt – und ein Ende ist nicht in Sicht.
Bereits in den 1990ern gab es einen ersten Anlauf, 2022 dann einen internationalen Wettbewerb mit Siegerprojekt und Bürgerbeteiligung. Und jetzt? Stieglitz tippt, dass weiter nachgedacht wird.
Man könnte meinen, es gehe um die Rekonstruktion von Atlantis oder die Planung einer Mars-Kolonie. Doch nein, es geht lediglich um Merans historische Flaniermeile, jene Prunkstraße, deren Prunk längst Geschichte ist. Die Komplexität sei enorm, heißt es ehrfurchtsvoll. Verständlich: Schließlich muss man gründlich abwägen. Sehr gründlich. Jahrzehntelang.
Und so üben sich die Meraner und Meranerinnen in Geduld – eine Tugend, die hier zur Lebensphilosophie gereift ist. Vielleicht ist das der wahre Plan: Die Freiheitsstraße als lebendiges Monument südtirolerischer Entscheidungskultur. Ein Denkmal der Beharrlichkeit. Ein Mahnmal gegen jede Form von Aktionismus.