Sokrates 4
Im Herbst 2025 von Georg Schedereit
Der griechische Philosoph Sokrates hätte sich der über ihn verhängten Todesstrafe ohne weiteres durch Flucht entziehen können. Seine Anhänger drängten ihn dazu. Aber so etwas Schmähliches kam für den aufrechten Freund von Weisheit und Gerechtigkeit keinesfalls in Frage; aus Selbstachtung nicht, aber vor allem nicht aus genau dem ehrlichen Respekt vor der gesetzlichen und göttlichen Ordnung, den ihm seine Gegner und Richter abgesprochen hatten.
So wurden sie gedemütigt, als der berühmte Philosoph sich in aller Ruhe den von ihnen verordneten Becher mit dem tödlichen Gift reichen ließ. Er trank ihn mit demselben Gleichmut, der ihn zur Provokation für die Angepassten gemacht hatte und zum ewigen Vorbild für die anderen, die gern auch mal nachdenken über ein gutes Leben in dieser Welt.
Diese Geradlinigkeit des Sokrates bei all seinem Nachfragen nach einem guten Leben, und nach einem guten Tod! Diese Konsequenz, mit der er beides vorgelebt hat! Diese Souveränität, mit dem er das ungerechte Todesurteil und dann eine Art Märtyrertod konstruktiv hingenommen hat!
Das hat Sokrates für alle Zeiten zum legendärsten aller Philosophen gemacht. Obwohl er der größte Fragesteller war, nicht der größte Beantworter.
An dieser Stelle muss unbedingt noch eines gesagt werden, ganz im sokratischen Sinne:
Alles, was wir über Sokrates zu wissen glauben, wissen wir gar nicht.