Wenn der Weg selbst das Ziel ist
Im Sommer 2025 von Dr. Luis Fuchs
Neulich wurde über die peinliche Panne berichtet, die einem Rollstuhlfahrer widerfuhr. Der ältere Fahrgast befand sich mit dem Zug auf einer Reise von St. Gallen nach Brixen. Allerdings saßen der Fahrgast und seine Frau dann vier Stunden am Brenner fest. Trotz gültiger Buchung ließen die Anschlusszüge das Ehepaar sitzen, da keine mobile Rampe verfügbar war. Zur Rettung aus der misslichen Lage kamen die Freiwilligen Feuerwehren von Gossensaß und Brixen zu Hilfe. Sie hievten den eingeschränkten Fahrgast in den Zug und in Brixen wieder heraus.
Wie kommen wir von A nach B? Die Wendung ist Ausdruck unserer ständigen Mobilität: mit Fahrrad, Auto, Eisenbahn, Aufstiegsanlage und Flugzeug. Wie eine Idee aus ferner Zukunft wirkt die Vorstellung von Elon Musk, eine Röhrenverbindung zwischen Los Angeles und San Francisco zu bauen. Menschen sollen mit mehr als tausend Kilometern pro Stunde durch diese Röhren sausen, um von A nach B zu kommen.
Vom mobilen Drang nach dem Muster „von A nach B“ muss wohl der Kölner Kardinal Woelki jüngst befallen worden sein. Die Welt sei nicht genug, der Sendungsauftrag der Kirche gehe weit darüber hinaus, fordert der nicht unumstrittene Kardinal. Anstatt bequem „auf dem eigenen Planeten zu bleiben“ ruft er laut www.katholisch.de dazu auf, „überall hinzugehen, wo Jesu Evangelium verkündet werden könne – vielleicht ja wirklich eines Tages auf den Mond oder Mars“. Kann sein, dass der Kardinal den Begriff „katholisch“ wortwörtlich versteht: „das Ganze betreffend“, „allumfassend“ bedeutet das Adjektiv.
Der Weg muss nicht unbedingt von A nach B führen, er kann auch von A nach irgendwo gehen. „Der Weg ist das Ziel“ ist ein oft zitierter, dem chinesischen Weisen Konfuzius zugeschriebener Spruch, der eine tiefe Weisheit ausdrückt. Es geht nicht darum, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern um die Erfahrungen und Entwicklungen, die wir auf dem Weg dorthin machen. „Es gibt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer dir. Wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn.“ Mit dieser zum Nachdenken anregenden Aussage fordert Nietzsche uns auf, unseren eigenen Weg zu gehen, der einzigartig sein wird. Er mag zwar ungewiss sein, aber auch viele Chancen und Möglichkeiten bieten. Das Zitat ermutigt den Einzelnen, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen.