Freude und Inspiration
Ein weltumspannendes Geburtstagsfest: Mit einem großartigen Programm feiert das südtirol festival meran sein 40-jähriges Bestehen
Ein Mann, der alles ausprobiert, hat die Wahl: Liebe und innere Einkehr oder doch die erotische Sinnlichkeit des Venusbergs? In der Ouvertüre zu „Tannhäuser” skizziert Richard Wagner den zentralen Gewissenskonflikt in dieser Oper – und mit diesem Meisterwerk beginnt am
2. September das mit Spannung erwartete Gastspiel des Hong Kong Philharmonic im sinfonischen Programm des südtirol festival meran. Am Pult des Orchesters aus der früheren britischen Kronkolonie und heutigen Sonderverwaltungsregion der Volksrepublik China, das im Kursaal zum ersten Mal auftritt, steht Jaap van Zweden, der lange auch Chefdirigent des New York Philharmonic war Darauf folgen Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 und der Musikstrom der 7. Sinfonie. Kein anderes Beethoven-Werk ist so sehr vom Rhythmus beherrscht. Wagner, der von einer „Apotheose des Tanzes“ sprach, soll zu Liszts pianistischer Interpretation selbst getanzt haben. Am besten hat wohl Romain Rolland diese Sinfonie beschrieben – als „Orgie des Rhythmus“.
Am Klavier sitzt an diesem Abend mit Rudolf Buchbinder ein legendärer Pianist mit einer mehr als 65-jährigen Karriere. Seine Interpretationen der Werke Beethovens gelten seit Jahrzehnten als Referenz. Er war der erste Pianist, der 2014 in Salzburg alle Klaviersonaten Beethovens in einem einzigen Festival aufführte. Kürzlich hat Buchbinder alle Klavierkonzerte Beethovens eingespielt, ein außergewöhnliches Projekt, an dem herausragende Dirigenten und Orchester beteiligt waren: das Gewandhausorchester Leipzig mit Andris Nelsons, die Wiener Philharmoniker mit Riccardo Muti, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Münchner Philharmoniker und die Staatskapelle Dresden.
Das südtirol festival meran veranstaltet in diesem Jahr seine 40. Saison mit vielen Klassikstars und höchster Qualität, und führt auch noch Kontinente zusammen. Ein Beispiel für die geografische Vielseitigkeit ist das Konzert des südafrikanischen Cellisten Abel Selaocoe, der am 3. September mit seinem Bantu Ensemble den Kursaal bespielt. Wo liegt die Heimat? In seinem Album Where is Home stellt sich dieser Ausnahmekünstler diese Frage – und kombiniert Bachs Cellosuiten mit traditioneller Musik aus seinem Geburtsland. Dieser „strahlend talentierte“ (The Telegraph) Grenzgänger erkundet mit dem Cellobogen, Body-Percussion und seiner Stimme Soundlandschaften, die vom Frühbarock über eigene Werke bis zum Jazz reichen, und verschiebt damit die Art und Weise, wie sein Instrument gespielt und wahrgenommen wird.