Bauen nach Wunschzahlen: Meran erfindet die Mathematik neu
Im Sommer 2026 von Der Stieglitz
Eines muss Stieglitz der Stadtplanung von Meran lassen: Sie hat ein bemerkenswert kreatives Verhältnis zu Grenzwerten. Das Landesraumordnungsgesetz (LEROP) sieht für die Kurstadt maximal 3,5 m³/m² vor – eine Zahl, die nicht aus Jux im Gesetzblatt steht, sondern etwas mit Lichteinfall, Verkehr und der Frage zu tun hat, wie viele Menschen ein Areal verträgt, ohne sich wie eine vertikal gestapelte Kleinstadt anzufühlen.
Der Durchführungsplan für das Wohngebiet „Postgranzstraße“ (Ex-Gritsch-Areal) pfeift auf solche Skrupel: 14.500 m³ auf 2.900 m², macht 5,0 m³/m² – schlanke 43 Prozent über dem Limit. Selbst der Gestaltungsbeirat zeigt sich befremdet. Bei einem sechs- und einem fünfstöckigen Bau mit 60 Wohnungen rügt er unverblümt: „In puncto Höhenentwicklung überschreitet das Projekt (…) die im Bauleitplan festgesetzte Maximalhöhe, was urbanistisch einige Fragen aufwirft.“ Deutlicher lässt sich ein Warnsignal kaum formulieren.
Der eigentliche Witz liegt im Verfahren: Der Beirat wird erst beim Durchführungsplan eingebunden – wenn Höhe, Dichte und Arealgröße durch die Bauleitplanänderung längst feststehen. Ein Beirat, der erst gehört wird, wenn nichts mehr zu verhandeln ist, prüft nicht mehr – er dekoriert.





