Im Gespräch mit Stefanie Nagler
Im Sommer 2025 von Eva Pföstl
MS: Frau Nagler, was ist eigentlich die Seele eines Kulturclubs und kann man sie von einem Ort zum anderen transportieren?
Stefanie Nagler: Die Seele eines Kulturclubs sind die Menschen, die ihn mit Leben füllen – die Mitglieder, die gestalten, beleben und ihre Ideen einbringen. Sie bringen nicht nur ihre Kreativität und ihr Engagement ein, sondern auch ihre Geschichten, ihre Beziehungen und ihre gemeinsame Vision. Diese Seele entsteht durch gelebte Gemeinschaft und durch das Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen. Wenn die Menschen mitziehen, wenn Werte mitgenommen werden, dann kann die Seele des Clubs auch an einem neuen Ort weiterleben. Sie wird sich dort vielleicht anders entfalten, aber sie bleibt spürbar.
Sie sind jetzt der größte Kulturverein der Stadt Meran und des Landes – ist das noch alternativ oder schon Establishment?
Wir sind gewachsen – sichtbar, strukturell, zahlenmäßig. Aber im Grunde bleiben wir alternativ. Und das ist unsere Stärke. Denn „alternativ“ heißt für uns: Kultur nicht zu verwalten, sondern zu gestalten. Räume zu schaffen, Fragen zu stellen, Neues zu wagen und eine Plattform für niederschwellige Kultur zu sein, darum geht es im ost west club est ovest. Größe bedeutet nicht automatisch Establishment – solange wir neugierig und innovativ bleiben und auch unbequem.
Welche Vorteile bietet der neue Standort?
Der Club hat den größten Wandel seit Beginn seiner Tätigkeiten hinter sich. Nach einer langen, stressigen und nervenaufreibenden Zeit sind wir nun endlich in ruhigeren Fahrgewässern gelandet. Im neuen Gebäude fühlen wir uns wohl, es gibt viel Platz und die Möglichkeit, mehrere Veranstaltungen anzubieten. Die Veranda, das Ambiente und die Atmosphäre des Gebäudes schaffen wunderbare Voraussetzungen, damit der Club im Ex-Bersaglio weiterhin ein lebendiges Kultur- und Kommunikationszentrum bleibt. Durch den Platz können wir nun auch Räumlichkeiten anderen Vereinen zur Verfügung stellen, was das Gebäude zu einem Ort der Begegnung macht – nicht nur für den ost west club est ovest. Logistisch ist der Standort ebenfalls vorteilhaft: Das Sommerangebot war bisher im Ex-Mini-Golf-Park Marconi, das Winterangebot in der Passeirer Gasse, die Büros waren in der Laubengasse. Jetzt haben wir alles unter einem Dach, was vieles vereinfacht.
Sie sprechen von nervenaufreibenden Jahren: Unstimmigkeiten gab es mit der Gemeinde Meran. Wie sieht die Lage derzeit aus?
Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde war auch in den letzten Jahren nicht immer leicht, doch heute unterstützt die Gemeinde den Club und wir haben einen guten Austausch. Bürgermeisterin Katharina Zeller zeigt, dass Jugend- und Kulturarbeit wichtige Anliegen sind.
Welche bürokratische Hürde hat Sie am meisten genervt?
Nicht genervt, aber am meisten gefordert hat mich die Vertragsunterzeichnung für die nächsten 20 Jahre. Das ist kein alltäglicher Schritt – schon gar nicht, wenn man ein Ehrenamt ausübt. Als Präsidentin und als Vorstandsmitglied trage ich Verantwortung und es spielen immer Emotionen mit, Zweifel und auch Zukunftsfragen. So ein Vertrag ist für uns als Verein und nach dieser langen Zeit mehr als nur ein Papier. Und genau deshalb war dieser Moment so intensiv – und eben nicht nur bürokratisch.
Der Club polarisiert und hat viele Neider. Wie gehen Sie damit um?
Ja, der Club polarisiert – und das ist auch gut so. Kultur darf Reibung erzeugen, darf Fragen stellen, darf unbequem sein und muss anecken. Dass wir viele Neider haben, zeigt, dass wir sichtbar sind, dass wir etwas bewegen. Ich versuche, das nicht persönlich zu nehmen. Mir hilft der Blick auf das, was wir schaffen – auf die Menschen, die mitgehen, mitgestalten, mitträumen. Das gibt Motivation – und relativiert den Rest.