Stubenhockers originelle Völkervergleiche
Im Sommer 2025 von Georg Schedereit
„Unter den Völkerschaften unseres Weltteils sind meiner Meinung nach“, so Kant wörtlich, „die Italiener und Franzosen diejenige, welche im Gefühl des Schönen, die Deutschen aber, Engländer und Spanier, die durch das Gefühl des Erhabenen sich unter allen übrigen am meisten ausnehmen.“
„Das italienische Genie hat sich vornehmlich in der Tonkunst, der Malerei, Bildhauerkunst und der Architektur hervorgetan … Der Italiener scheint ein gemischtes Gefühl zu haben, von dem eines Spaniers und dem eines Franzosen, mehr Gefühl vor das Schöne als der erstere und mehr vor das Erhabene als der letztere.“
Nichts von dem, was der große Aufklärer Immanuel Kant da schreibt, geht auf eigene Anschauung durch Reisen zurück, er hat die Königsberger Gegend nie verlassen. Aber diese damals große kosmopolitische Hafen-, Handels- und Hochschulstadt bietet ihm zeitlebens alles, was seine nichtendenwollende Neugier, Verstehensgier, Freude am Staunen und am Erklären sehen, hören, aber vor allem lesen will über die große weite Welt, von frühester Jugend an. In seinen anthropologischen Schriften finden wir weitere originell formulierte „völkerpsychologische“ Verallgemeinerungen:
„Der Spanier ist ernsthaft, verschwiegen und wahrhaft. Es gibt wenig redlichere Kaufleute auf der Welt als die spanischen. Er hat eine stolze Seele und mehr Gefühl vor große als vor schöne Handlungen. Man kann nicht sagen, der Spanier sei hochmütiger oder verliebter als jemand aus einem anderen Volke. Allein er ist beides auf eine abenteuerliche Art, die seltsam und ungewöhnlich ist.“
Anders „der Franzose“, wie ihn sich der ewige Stubenhocker vorstellt:
„Der Franzose hat ein herrschendes Gefühl vor das moralisch Schöne. Er ist artig, höflich und gefällig … Er ist sehr gerne witzig und wird einem Einfalle ohne Bedenken etwas von der Wahrheit aufopfern. Dagegen, wo man nicht witzig sein kann, zeiget er ebensowohl gründliche Einsicht, … z.B. in der Mathematik.“