Mir sein mit’m Radl da!
Im Sommer 2026 von Robert Asam
Der Bürgermeister von Como hat 30 Straßen im Stadtzentrum für Radfahrer gesperrt. Hintergrund für diese Maßnahme: Ein Radler hatte den Bürgermeister angefahren. Die Folge war ein – nachvollziehbarer – empörter Aufschrei der Radl-Community. Ein solcher wäre ausgeblieben, wenn das Verbot die Schaufelbagger betroffen hätte. Diese sind aber ganz selten in Stadtzentren unterwegs. Und Schaufelbagger sieht man rechtzeitig und kann ausweichen.
Außer man gehört jener Gruppe von Verkehrsteilnehmern an, die mit Kopfhörern unterwegs sind, den Blick starr aufs Handy gerichtet. Das sind Fußgänger und Radfahrer. Selbst sind wir natürlich ein Vorbild im Straßenverkehr, außer wir haben es eilig. Die A****löcher sind immer die anderen. In Meran war es diesen Sommer manchmal sehr eng. So eng, dass sogar E-Roller Slalom fahren mussten, um voranzukommen. E-Roller-Fahrer, auch so ein heimtückisches Volk, das lautlos von hinten kommend angreift. Noch gefährlicher sind nur Senior:innen mit E-Bikes.
Wie geordnet und hübsch anzusehen ist im Vergleich dazu der Autoverkehr. Da steh ich frühmorgens an der Bushaltestelle und sehe einen schnittigen Sportwagen an mir vorübergleiten. Ein Audi, deutsches Kennzeichen. IN für Ingolstadt. Klar, Audi-Heimat. Es sitzt nur eine Person im Wagen: der Fahrer. Dann folgt der nächste Audi. Wieder aus IN, und wieder nur mit einem Single bestückt. Es kommt noch einer und noch einer. Immer Audi, immer IN, immer nur mit Fahrer. Der Club der einsamen Audi-Herzen ist unterwegs.
Nach dem zehnten IN-Audi habe ich aufgehört zu zählen und überlegt, wo die motorisierten Singles hin wollen. Timmelsjoch, Jaufenpass? Oder vielleicht doch nur zum Hotel, das seine Gäste mit dem Heli abholt? Nein, das ergibt keinen Sinn. Dann würden sie nicht mit dem Auto durch die Gegend fahren. Mehr Heli-Gäste, weniger Verkehr? Eine interessante Alternative!





