Hannes Gamper
Das neue Gesicht des südtirol festivals meran
Im Sommer 2026 von Eva Pföstl
Nach über 40 Jahren übergibt Hermann Schnitzer das Präsidium des südtirol festivals meran an Hannes Gamper – einen Künstler, Goldschmied und leidenschaftlichen Musikliebhaber, der seit seinem 15. Lebensjahr dem Festival die Treue hält. Im Gespräch erzählt er, warum Meran zur Kulturhauptstadt Südtirols werden sollte, was Tradition und Erneuerung miteinander verbindet und weshalb Umhang, Zauberstab und Brille in diesem Sommer als Eintrittskarte gelten.
MS: Sie sind Künstler und Goldschmied – wie kommt man von der Juweliermanufaktur zum Präsidenten eines Klassikfestivals?
Hannes Gamper: Durch die Leidenschaft zur Musik. Schon als kleiner Junge spielte ich Posaune in der Musikkapelle Dorf Tirol. Während meiner Zeit in St. Ulrich in Gröden wurde diese Begeisterung noch stärker – dort war Musik ein zentraler Bestandteil meines Freundeskreises und meines Alltags. Mit 15 Jahren habe ich mein erstes Abonnement der damaligen Meraner Musikwochen abgeschlossen – und bin dem Festival bis heute treu geblieben. Die Verbindung zur Musik begleitet mich also seit meiner Kindheit.
Hermann Schnitzer hat das Festival 40 Jahre lang geprägt. Wie viel Kontinuität braucht es und wo sehen Sie Raum für Neues?
Hermann Schnitzer hat gemeinsam mit Andreas Cappello Großartiges aufgebaut. Ich freue mich sehr, dass Hermann uns als Ehrenpräsident weiterhin mit seiner Erfahrung begleitet. Für mich ist er ein großes Vorbild. Unsere Aufgabe wird es sein, die Werte und die hohe Qualität des Festivals zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen. Tradition und Erneuerung schließen sich nicht aus – im Gegenteil: Nur wer sich weiterentwickelt, bleibt lebendig und attraktiv.
Was haben Sie von ihm mitgenommen – als Ratschlag oder als Haltung?
Vor allem seine Neugierde – gegenüber der Musik, aber auch gegenüber den Menschen. Hermann und seine Frau Heidi haben immer an die Zukunft und an junge Generationen geglaubt. Diese Offenheit und dieses Vertrauen möchte ich weitertragen.
Als Gestalter denken Sie in Form, Material und Wirkung. Bringt das einen anderen Blick auf ein Festival mit sich?
Ja, durchaus. Als Künstler und Goldschmied kenne ich die Perspektive der Kreativen und die Bedürfnisse von Künstlerinnen und Künstlern. Gleichzeitig bin ich leidenschaftlicher Konzertbesucher und Unternehmer. Diese unterschiedlichen Blickwinkel helfen mir, ein Festival sowohl kulturell als auch organisatorisch zu verstehen und weiterzuentwickeln.
Welche neuen Ideen und Impulse möchten Sie als neuer Präsident für das Festival setzen?
Gemeinsam mit dem Vorstand und den Mitgliedern arbeiten wir derzeit an neuen Konzepten und Impulsen, die das Festival in den kommenden Jahren prägen sollen. Wir werden rechtzeitig darüber informieren.
Welche Vision haben Sie für Meran, das bereits als Musikstadt Südtirols gilt?
Ja, Meran ist die Musikstadt Südtirols – sollte künftig aber nicht nur als solche wahrgenommen werden, sondern zur Kulturhauptstadt des Landes aufsteigen. Im touristischen Marketing wurde bislang deutlich stärker in den Osten investiert, mit dem Schwerpunkt Dolomiten, während der Westen mit Meran meiner Einschätzung nach zu wenig Beachtung gefunden hat. Dabei verfügt die Stadt über ein außerordentlich reiches und vielfältiges Kulturangebot. Dieses gilt es gezielt zu stärken, zu bündeln und institutionell zu verankern – damit Einheimische wie Gäste das Besondere Merans erkennen und erleben können.
Das Festival ist seit 40 Jahren gewachsen – wächst die Finanzierung im gleichen Maß mit?
Qualität hat ihren Preis. Wenn wir das Festival auf diesem hohen Niveau halten und weiter ausbauen wollen, wird auch der finanzielle Aufwand steigen. Unser Ziel ist es, das Vertrauen von Sponsoren, Partnern und Publikum weiter zu stärken und den kulturellen wie auch den wirtschaftlichen Mehrwert des Festivals sichtbar zu machen.





