Die Tränenwegsstenose bei Neugeborenen
Im Frühling 2025 von Dr. Andreas Pichler
Schon bei der Geburt werden Neugeborene mit einer antibiotischen Augensalbe behandelt, um eine Infektion vorzubeugen. Trotz dieser Behandlung ist man aber nicht vollständig vor weiteren Infektionen im Augenbereich geschützt. Das Immunsystem des Neugeborenen ist noch sehr empfindlich und muss sich erst noch entwickeln. Auch deshalb sind regelmäßige Entzündungen der Augen und der Augenbindehaut keine Seltenheit.
Normalerweise heilen solche mit viel Sekret und Schwellungen einhergehenden Entzündungen der Bindehaut problemlos ab und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Dennoch kann gerade ein nicht beachteter Verschluss des Tränenkanals die Ursache für chronische und immer wieder auftretende Reizungen am Auge sein. Typisch ist vor allem eine Schwellung des Tränensackes. Das gelbliche Sekret entleert sich unter Druck am Auge aus dem Tränenpünktchen.
Die sogenannte Hasnersche Klappe ist eine Art angeborenes natürliches Ventil in der Nase, das den Tränenkanal vom Auge zur Nase verschließt. Normalerweise öffnet sich diese Klappe selbst. Falls nicht, kommt es eben zu den vorher beschriebenen Beschwerden.
Der Facharzt rät in diesem Fall zu einer regelmäßigen Massage des Tränensackes. Dies sollte mindestens zweimal täglich für mehrere Minuten in einer Phase stattfinden, wo das Auge gerade nicht entzündet ist. In der Regel ist dies ausreichend und wird maximal bis zum ersten Lebensjahr empfohlen. Ist diese Therapie bis dahin nicht erfolgreich, kann eine chirurgische Öffnung des Tränenkanals durchgeführt werden. Natürlich wird dies im Gegensatz zu vor 30 Jahren nur in Vollnarkose durchgeführt und bedarf einer zusätzlichen vorherigen Abklärung durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt.